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Türkisches Verfassungsgericht setzt Kopftuchverbot wieder in Kraft

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Türkisches Verfassungsgericht setzt Kopftuchverbot wieder in Kraft

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Türkische Studentinnen müssen das Kopftuch wieder ablegen: Das Verfassungsgericht in Ankara hat die umstrittene Entscheidung des Parlaments für ungültig erklärt, wonach das Tragen von Kopftüchern an Universitäten erlaubt war. Für die Regierungspartei AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ist dies eine existentielle Bedrohung: Denn die Diskussion um das Kopftuchverbot könnte auch in einem Verfahren eine Rolle spielen, in dem es um ein Verbot der Regierungspartei wegen anti-laizistischer Aktivitäten geht.

Vor der Bekanntgabe der richterlichen Entscheidung gab sich der türkische Präsident Abdullah Gül bei einem Staatsbesuch in Tokio betont gelassen. “Diese Debatte kocht von Zeit zu Zeit hoch”, sagte er. “Aber ich denke, das ist für eine offene und demokratische Gesellschaft normal. Die Türkei wird es überstehen.” Die Studentinnen selbst reagierten unterschiedlich. “Ich denke, auch Frauen wie wir sollten weiterhin studieren”, meint eine Studentin mit Kopftuch. “Man braucht Menschen wie uns. Engstirnige Menschen sollten sowieso nicht studieren.” Für eine Juristin hingegen hat das Kopftuch an Universitäten nichts verloren: “Es geht um das Prinzip der Säkularität, denn ganz ehrlich: das Kopftuch wird als politisches Symbol benutzt und hat nichts mit religiöser Freiheit zu tun. Als Jurastudentin möchte ich es nicht an Universitäten sehen.” Verfechter des Kopfuchverbots werfen der Regierung vor, eine schleichende Islamisierung der Türkei zu betreiben und die Trennung von Staat und Religion aufzuweichen.