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Unterschiedliche Reaktionen nach Kopftuch-Urteil

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Unterschiedliche Reaktionen nach Kopftuch-Urteil

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Die Türkei steuert nach dem Kopftuch-Urteil offenbar auf eine politische Krise zu. Die Regierungspartei AKP hatte gestern eine Niederlage erlitten. Das türkische Verfassungsgericht hatte ein Gesetz wieder rückgängig gemacht, das Frauen das Tragen von Kopftüchern an Universitäten erlaubt hatte. Die Opposition begrüßte das Urteil.
“Der Verfassungsgerichtshof hat eine wichtige Entscheidung getroffen”, sagte Deniz Baykal der Chef der größten Oppositionspartei CHP. “Das Gericht hat begriffen, dass es auf Grund der Verfassung so einscheiden musste.”

Das Tragen von Kopftüchern in Universitäten verstößt nach Ansicht des Gerichts gegen das Verfassungsgebot der Trennung von Religion und Staat. Die türkische Justiz gehört zu den schärfsten Kritikern der Regierungspartei AKP. Die Türkinnen selbst reagierten unterschiedlich: “In einem Land, dass den Weg von Republikgründer Atatürk weitergeht, hätte es diese Entscheidung schon längst geben müssen.”, sagt eine Passantin in Istanbul. Eine andere Frau betont dagegen: “Es ist gut, dass Frauen, die Kopftücher tragen, in die Universität gehen können. Sie strengen sich an und arbeiten hart. Nach dieser Entscheidung verlieren sie ihre Rechte. Das ist nicht gut.”

Ein Sprecher von Regierungschef Recep Tayyip Erdogan nannte den Urteilsspruch “nicht verfassungsgemäß”. Noch ist unklar, ob die AKP das Verbot hinnehmen oder ihre Anhänger auf die Straße schicken wird. Auch über vorgezogene Neuwahlen wird spekuliert.