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"...die israelische Besetzung zu beenden!" Ein Gespräch mit dem Hamas-Chef Khaled Meshal

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"...die israelische Besetzung zu beenden!" Ein Gespräch mit dem Hamas-Chef Khaled Meshal

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Rund ein Jahr nach dem Ende des Dialogs zwischen den beiden Palästinenser-Organisationen haben Hamas und Fatah ihre Kontakte wieder aufgenommen. Die mögliche Freilassung des israelischen Soldaten Gilad Schalit, das Verhältnis der Hamas zu Israel, die Beziehungen zu Israel und der Führung in Teheran waren Themen eines Gesprächs, das EuroNews in Damaskus mit dem Chef des Politbüros der Hamas, Khaled Meshal, führte.

EuroNews: Sind Sie für die Freilassung des israelischen Soldaten und für eine Annäherung an die Fatah?

Khaled Meshal: Was den Soldaten anbelangt, so ist es, wie Sie wissen, der zionistische Feind, es sind Olmert und seine Leute, die dessen Freilassung verhindern, die uns Knüppel zwischen die Beine werfen. Sie gehen auf unsere Forderungen nicht ein. Mit den ägyptischen Vermittlern haben wir uns auf die Schritte, die Etappen geeinigt. Nennen wir aber die Namen der Personen, die auf freien Fuss gesetzt werden sollen, so weigert sich Israel. Akzeptiert Israel unsere Bedingungen, so sind wir bereit, den israelischen Soldaten so schnell wie möglich freizulassen. Wir haben kein Interesse daran, ihn zu behalten.

EuroNews: Gibt es Geheimkontakte zwischen der Hamas und Israel?

Khaled Meshal: Wir halten nicht viel von Geheimkontakten und wir haben keine Kontakte mit dem israelischen Feind.

EuroNews: Liegt es im Bereich des Möglichen, dass die Hamas heute in irgendeiner Weise Verhandlungen mit Israel aufnimmt?

Khaled Meshal: Der Konflikt mit Israel erfordert eine umfassendes Herangehen. Wenn Israel erwachsen wird und die Rechte der Palästinenser anerkennt, werden wir über die einzelnen Etappen entscheiden.

EuroNews: Wie weit sind die Verhandlungen zwischen Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und Ehud Olmert gediehen?

Khaled Meshal: Olmert legt ein Veto ein, wenn es um die Grenzen von 1967 oder um Jerusalem geht, er widersetzt sich der Auflösung der Kolonien und der Rückkehr der Palästinenser. Welchen Wert können diese Verhandlungen also haben?

EuroNews: Es geht um den Willen dazu und um die Schaffung eines Palästinenser-Staates…

Khaled Meshal: Erinnern Sie sich an den jüngsten Besuch des US-Präsidenten Bush in der Region und an seine Rede vor der Knesset. Es war eine Ohrfeige für die Region, er hat Israel den Rücken gestärkt. Olmert verhandelt mit Abbas, um von inneren Schwierigkeiten abzulenken und um das Image Israels zu schönen. Es sind Verhandlungen für die Öffentlichkeit!

EuroNews: Ist die Hamas bereit, in Zukunft Verhandlungen mit dem jüdischen Staat aufnehmen?

Khaled Meshal: Israel muss in aller Deutlichkeit erklären, dass es einen Palästinenser-Staat, die Grenzen von 1967 – auch was Jerusalem anbelangt – akzeptiert, dass es die Kolonien räumt und die Rückkehr der Flüchtlinge zulässt. Das sind unsere Bedingungen für Verhandlungen.

EuroNews: Würden Sie in einem solchen Fall Israel anerkennen?

Khaled Meshal: Die Anerkennung ist ausgeschlossen. Wie ich schon gesagt habe, kann ich mir einen Waffenstillstand vorstellen. Es gibt auch andere Möglichkeiten, doch die Anerkennung schieße ich aus.

EuroNews: Könnten sie also eine Verhandlungsgrundlage oder ein Abkommen mit Israel unterzeichnen?

Khaled Meshal: Hören Sie, seit Oslo gibt es gibt Abkommen zwischen Palästinensern und Israelis, doch bisher waren sie wertlos. Die Frage ist: Werden den Palästinsern ihre Rechte zugestanden? Zu diesem Zeitpunkt ist davon weder auf israelischer noch auf amerikanischer Seite etwas zu erkennen. Auch gibt es keinen internationalen Willendazu, für das palästinensische Volk eine befriedigende Lösung durchzusetzen.

EuroNews: Ehud Olmert hat gesagt, Jerusalem auf immer israelisch bleiben…

Khaled Meshal: Es ist der Beweis für die israelische Position, dafür, dass eine Lösung nicht in Sicht ist. Die Position Israels, die von amerikanischer Seite unterstützt wird, verhindert eine solche. Olmert kann sagen, was er will, Jerusalem war palästinensisch und arabisch und wird es auch bleiben.

EuroNews: Obama sagte jüngst, Jerusalem werde die Hauptstadt Israels bleiben…

Khaled Meshal: Das sind Erklärungen , die wir ablehnen und verurteilen. Sie sind beleidigend. Wir erwarten nicht sehr viel von der der amerikanischen Führung, unabhängig davon ob es sich um Demokraten oder Republikaner handelt. Darüber reden wir nicht. Wir sprechen über unsere Rechte.

EuroNews: Was stimmt an dem Vorwurf, dass die Hamas Beziehungen mit Teheran hat?

Khaled Meshal: Wir haben Beziehungen mit Teheran und wir haben Beziehungen mit anderen arabisch-muslimischen Ländern. Auch mit bestimmten europäischen Staaten haben wir gute Beziehungen. Wo ist da ein Problem? Es sind harmonische politische Beziehungen Wir hängen von niemandem ab.

EuroNews: Man spricht von einer materiellen und militärischen Unterstützung der Hamas durch Teheran.

Khaled Meshal: Es gibt keine militärische Unterstützung, hingegen wird die Regierung Hanijeh finanziell unterstützt, auch von einigen anderen arabischen Ländern. Doch wo liegt da ein Problem? Es ist das Recht des palästinensischen Volkes.

EuroNews: Es gibt Befürchtungen über eine Achse zwischen Teheran, dem Gaza-Streifen und der Hisbollah in der Region…

Khaled Meshal: Eine solche Achse gibt es nicht, das ist die amerikanische Sicht. Augrund von Halbwahrheiten wird die die Welt eingeteilt. Die USA wollen zwischen moderaten und extremistischen Staaten unterscheiden.

EuroNews: In Europa werden Beziehungen zum Iran und die Anwendung von Gewalt befürchtet…

Khaled Meshal: Die Anwendung von Gewalt? Unser Volk lebt unter Besatzern. Eine Hälfte lebt seit 60 Jahren in besetzten Gebieten, die andere Hälfte ist überall in der Welt verstreut. Hat dieses Volk nicht das Recht, sich zu verteidigen? Das ist das Geringste. Es ist eine Pflicht und eine Ehre…

EuroNews: Was erwarten Sie diesbezüglich von Europa?

Khaled Meshal: Von dort kommen keine Lösungsvorschläge. Die Europäer sollten wissen, dass es keine Lösungen gibt, wenn man sich hinter den unmöglichen Bedingungen der Amerikaner versteckt. Die Lösung ist, dem palästinensischen Volk die Möglichkeit zu geben, die israelische Besetzung zu beenden. Zur Zeit gibt es eine historische Chance dafür: Araber und Palästinenser akzeptieren die Schaffung eines Staates in den Grenzen von 1967. Ich appelliere an Europa, die internationale Gemeinschaft anzuführen, an die Stelle der Amerikaner zu treten, die versagt haben. Europa sollte sich mit Russland, China und den anderen abstimmen, um dem palästinensischen Volk zu seinem Recht zu verhelfen und um die israelische Besetzung zu beenden.

EuroNews: Was erwarten Sie von der Mittelmeerunion unter der französischen Präsidentschaft der EU?

Khaled Meshal: Wird den Staaten der Region eine neue europäische Politik angeboten? Das wäre ein Ansatz, doch wenn sich die europäische Politik im Kreis dreht, bleibt sie unfähig. Solange die internationale Gemeinschaft und Europa sich zurückhalten und unfähig bleiben, gibt es keine Ergebnisse. Araber und Muslime erwarten Neues von Europa.