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Trotz Wirtschaftswunders: EU-Begeisterung der Iren ist geschwunden

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Trotz Wirtschaftswunders: EU-Begeisterung der Iren ist geschwunden

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Beim Beitritt zur EG 1973 waren die Iren von der Sache überzeugt: Über achtzig Prozent hatten dafür gestimmt. Danach kam das irische Wirtschaftswunder dank der Milliarden aus Brüssel. Drei Jahrzehnte später dann der erste Rüffel: das Nein zum Vertrag von Nizza. Nun könnte es wieder Nein heißen. Den Iren bei der Kampagne aber unter anderem vorzuhalten, sie müssten der EU doch dankbar sein, war nach Ansicht von Europapolitikforscher Sebastian Kurpas fehl am Platz: “Dankbarkeit ist kein gutes Argument in einer Kampagne. Es geht mehr darum, was man gewinnt oder was man verliert. Diese Art Argumente verkaufen sich besser.”

Sollten die Iren den Vertrag von Lissabon ablehnen, geht die EU nicht unter, wiegelt der Fraktionschef der Liberalen im Europa-Parlament, Graham Watson ab: “Ich sehe das nicht als Tag des Jüngsten Gerichts für die Europäische Union, ich sehe es aber vielleicht als den Moment, in dem bestimmte europäische Länder beschließen werden, dass sie nur eine europäische Wirtschaftsgemeinschaft wollen, während andere eindeutig in Richtung einer größeren politischen Union vorankommen wollen, in Kenntnis der Vorteile, die diese den Bürgern bringt.”

Dass Demokratie in der EU kein Kinderspiel ist, lernen die kleinen Iren schon am praktischen Beispiel in der Schule. Und ebenso, dass man dabei auch Nein sagen kann – und dann eben wie beim Vertrag von Nizza eine neue Lösung gesucht werden muss…