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Olympisches Feuer in Minderheitenprovinzen

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Olympisches Feuer in Minderheitenprovinzen

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Die olympische Fackel war sogar schon auf dem Mount Everest – aber die schwierigsten Etappen stehen ihr möglicherweise jetzt bevor. Die Läufer durchqueren die Gebiete der Minderheiten im Westen – zunächst die Provinz Xinjiang, wo die Uiguren leben. Die Uiguren gehören zur Familie der türkischen Völker; religiös gesehen sind sie Moslems.

Der Fackellauf findet hier eine Woche früher statt als geplant. Die Regierung begründet das mit der verkürzten Etappe zuvor durch das Erdbebengebiet. Die Sicherheitsvorkehrungen sind streng; die Einwohner haben daher kaum Gelegenheit, die Fackel zu sehen. Ohnehin wurden sie aufgefordert, das Geschehen lieber im Fernsehen zu verfolgen.

“Wir würden ja gerne zusehen”, sagt ein Einwohner in der Stadt Kaschgar; “aber keine Ahnung, ob das geht. Freunde haben gesagt, man braucht einen Passierschein, und den haben wir nicht.”

Dabei hätten es die zugewanderten Chinesen noch leichter, sagen Uiguren im Exil. Die Uiguren selbst hatten demnach so gut wie keine Chance, in die Nähe der Fackel zu gelangen.

Der Anteil der Chinesen an der Bevölkerung der Provinz ist in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen. Menschenrechtler und Exil-Uiguren sehen eine Unterdrückung der einheimischen Kultur.

“Sie haben Millionen von Chinesen hier angesiedelt”, sagt Rebiya Kadeer, eine führende Vertreterin im Exil in den USA; “den Uiguren haben sie das Land und die Arbeit weggenommen, alles, was man zum Leben braucht.”

Drei Tage lang soll das olympische Feuer im Land der Uiguren unterwegs sein. Am Sonnabend wird es dann die benachbarte Unruheprovinz Tibet erreichen – aber nur noch für einen Tag statt der ursprünglich geplanten drei.