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Marina Petrella – Auslieferung trotz französischen Asylversprechens

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Marina Petrella – Auslieferung trotz französischen Asylversprechens

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Die Italienerin Marina Petrella ist 1992 in Rom – und in Abwesenheit – zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nachgewiesen wurden ihr unter anderem der Mord an einem Polizeikommissar 1981 und die Entführung eines Staatsanwaltes, Waffendiebstahl sowie die Beteiligung an mehreren Attentaten. In den 80er Jahren gehörte sie zu den italienischen “Roten Brigaden”, die ähnlich wie die RAF in der Bundesrepublik Deutschland den Staat mit Gewalt bekämpften. 1986 nutzte sie eine vorübergehende Freilassung zur Flucht nach Frankreich genutzt. Der damalige Präsident François Mitterrand hatte ein Jahr zuvor links-extremen Gewalttätern aus Italien Asyl angeboten – unter der Bedingung, dass sie der Gewalt abschwören.

Zu dieser Gruppe der “brigate rosse”-Asylanten gehörte auch Cesare Battiste, der sich in Frankreich ein zweites Leben als erfolgreicher Kriminalschriftsteller aufbaute. Auch seine Auslieferung verlangt Italien seit 2002. Battisti wurde – ebenfalls in Abwesenheit – für einen Mordanschlag zu lebenslanger Haft verurteilt. Er erzählt, dass andere sich nur schwer in seine Haut versetzten können, in die Haut eines Menschen, der nach 25 Jahren immer noch riskiert, plötzlich verhaftet zu werden, der nicht wie jeder andere leben kann.

Für den querschnittgelähmten Alberto Torreggiani ist das allerdings schwer. Ihn traf eine verirrte Kugel beim Attentat auf seinen Vater. “Ich habe lebenslänglich”, sagt er zum Fall Battisti; “lebenslänglich im Rollstuhl durch das Attentat seiner Gruppe.” Auch Battisti solle seine Strafe absitzen. “Die Fakten verurteilen ihn, nicht ich.” Als klar wurde, dass Frankreich sein Asyl-Versprechen zurückziehen werde, floh Battisti nach Brasilien. Dort wurde es im März 2007 festgenommen. Die Regierung in Brasilià hat noch nicht endgültig über seine Auslieferung nach Italien entschieden.