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Streit um Sicherheit nach Atomunfall von Tricastin

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Streit um Sicherheit nach Atomunfall von Tricastin

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Nach dem Atomunfall im südfranzösischen Tricastin hat es offenbar sehr lange gedauert, bis die Bevölkerung gewarnt wurde. Sowohl nach Angaben der Atomaufsicht als auch von Umweltschützern passierte der Zwischenfall am Montagabend. Erst am nächsten Morgen wurde die Aufsicht informiert, am Nachmittag dann die Anwohner.

Bei dem Unfall in der Verarbeitungsanlage des Atomkomplexes traten dreißigtausend Liter uranhaltiger Flüssigkeit aus. Ein Sprecher des Betreibers sagt aber, diese Menge sei zunächst in ein Auffangbecken geflossen. Nur ein Teil davon sei letztlich in die Umgebung gelangt.

Von gut sechstausend Litern spricht nun der Betreiber, eine Tochter des Areva-Konzerns. Das macht es für Umweltschützer nicht viel besser: Sie fordern genauere Angaben, zum Beispiel darüber, welche Art von Uran, welches Isotop also, überhaupt
freigesetzt wurde – erst dann lasse sich die genaue Gefährdung feststellen.

Es gebe für solche Verstöße einen ganzen Haufen von Strafen, sagt Roland Desbordes von CRIIRAD, einer atomkritischen Wissenschaftlergruppe. Das sei etwas in Vergessenheit geraten. Bei diesem einen Austritt sei die ganze zulässige Jahresmenge
überschritten worden.

Tricastin ist eine der wichtigsten Atomanlagen in Frankreich; hier stehen vier Reaktoren und die nach dem bekannten La Hague zweitgrößte Aufbereitungsanlage des Landes. Die Kernkraft ist für Frankreich enorm wichtig: Sie deckt rund achtzig Prozent des Strombedarfs. Frankreichs Regierung plant den Bau weiterer Kernkraftwerke.