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"Man darf sich keiner Zensur beugen".

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Naela Khalil zum ihrem Preis für Pressfreiheit

Naela Khalil – So heißt die palästinensische Journalistin, die den diesjährigen “Samir-Kassir-Preis” für Pressefreiheit erhielt. Für ihren Artikel über politische Verhaftungen im Machtkampf zwischen Fatah und Hamas.

Den Preis vergibt die Europäische Kommission in Erinnerung an den 2005 ermordeten libanesischen Journalisten Samir Kassir.
Euronews traf die palästinensische Journalistin Naela Khalil bei dieser Gelegenheit in Beirut.

Erste Etappe: die Zeitung “An Nahar” – zu deutsch:
Der Tag.
Für diese große libanesische Tageszeitung arbeitete Samir Kassir zusammen mit dem Eigentümer und Chefredakteur Gebrane Tueni.
Auch er wurde ermordet. Sein Bild und seine Worte schmücken heute die Fassade des Zeitungshauses.
Naela Khalil sagt:
“ Ich mag die Worte von Gebrane Tueni. Er träumte von einer jungen Redaktion, politisch wach, gebildet und integer. Aber so eine Mischung gibt es nicht. Unmöglich! Die Politik kann nicht integer sein. Und die Politiker, das sind doch immer die alten Männer. Aber das Ideal ist schön.

Erist nicht mehr da. Samir Kassir kommt nicht mehr in dieses Zimmer in seiner Redaktion. Aber alles liegt noch an seinem Platz . Seine Stifte, die letzte Ausgabe, für die er geschrieben hat.
Nur er, Samir Kassir, kommt nicht mehr,
aber wir spüren hier seine Art zu denken, seinen Wagemut.

Ich würde sagen, wenn mir jemand mit einer Waffe droht, dann drohe ich mit meiner Feder.
und die Kraft des geschriebenen Wortes ist viel stärker als jene der Waffen. Darum hat man die beiden getötet. Man muss reden bevor es zu spät ist. Und ich hoffe, es ist noch nicht zu spät.

Seine Worte leben weiter, sind zu lesen und zu hören bei allen möglichen Demonstrationen in der arabischen Welt. Für uns bleibt er ein außergewöhnlicher Mensch.
Es wird ihn nicht noch einmal geben.

Ich kann nur wiederholen: ob Ägypter, Libanese oder Palästinenser – ein Journalist ist immer zuerst Journalist. Das ist es, was für mich zählt, für die Journalistin.
Auf die eine oder andere Weise bleibt mein Name mit dem von Samir Kassir verbunden.
Ich werde mich seines Namens würdig erweisen.
Es wird auch für mich keine erlaubten und keine verbotenen Themen geben. Ich werde schreiben.

Wir sind eingezwängt zwischen dem israelischen Druck auf der einen Seite und dem palästinensischen Druck auf der anderen Seite.
Aber ich muß sagen, daß es im palästinensischen Autonomiegebiet mehr Pressefreiheit gibt als irgendwo sonst in der arabischen Welt.

Geboren bin ich im Flüchtlingslager Balata in Nablus, wo ich immer noch wohne.
Nach der Grundschule und der Mittelschule wollte ich erst Anwältin werden – dann aber Journalistin.
Beide Berufe haben mit meinem Wunsch zu tun, den Menschen zu helfen, die von aller Welt vergessen werden, das sind die, mit denen ich im Flüchtlingslager gelebt habe.

Wir sind zu Hause sieben Brüder und vier Schwestern. In den Flüchtlingslagern sind die meisten Familien so groß.
Zwei meiner Brüder sitzen in israelischen Gefängnissen. Das auf dem Foto ist mein Bruder Ahmed, 22, zur Zeit im Gefängnis.
Und das ist Ahmed Sanagrel, ein Märtyrer.
Wir sind zusammen aufgewachsen, er war für mich wie ein Bruder. Und das ist mein Bruder Mahmoud, er sitzt auch im Gefängnis. Keiner meiner beiden Brüder, die jetzt im Gefängnis sitzen, ist jemals aus Nablus herausgekommen. Nie.
Weil der Zugang zur Stadt Nablus durch einen israelischen Check-Point abgeriegelt ist.

Die beiden Brüder sind während der ersten Intifada geboren und während der zweiten herangewachsen.
Mit 15 Jahren haben sie mitgemacht bei der zweiten Intifada. Und dafür werden sie von Israel verfolgt. Meine beiden leiblichen Brüder wurden verletzt. Und der Freund, der mir nahe war wie ein Bruder, ist als Märtyrer gestorben.
Für diese jungen Männer gab es keine Alternative zu dem Weg, den sie gewählt haben.
Wenn du in einem Flüchtlingslager aufwächst und wenn du deinen Freund vor deinen Augen sterben siehst, was hast du dann für eine Wahl?
Sie hatten keine andere Wahl…

Wenn ich also sehe, wie Menschen, die noch jünger sind als ich, einen so hohen Preis zahlen,
dann sage ich mir – ich muß noch mehr tun.
Die Jungen geben mir die Kraft, jeden Morgen aufs Neue aufzustehen und mir zu sagen:
Ich muß für diese Menschen arbeiten.

Jetzt trage ich den in der arabischen Welt bedeutendsten Journalistenpreis .
Sein Wert liegt in dem Namen Samir Kassir und auch darin, daß ihn die EU-Kommission gestiftet hat. Sie ermutigt damit die jungen Journalisten, sind mit ihrer Arbeit über Verbote hinwegzusetzen.
Egal ob die nun von der eigenen Regierung oder von der Opposition gesetzt werden.

Mit dem Preis weiß man, daß man sich mit der Europäischen Union auf einer Linie befindet.
Gegen das Schweigen, gegen die Zensur.
Frauen und Männer wehren sich gemeinsam dagegen, Journalisten erlaubte und verbotene Themen vorgeben zu wollen.

Ich muß schreiben, ich muß weitermachen.