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Karadzic-Auslieferung verzögert sich weiter - EU vertagt Zugeständnisse an Serbien

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Karadzic-Auslieferung verzögert sich weiter - EU vertagt Zugeständnisse an Serbien

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Nach wie vor ist unklar, ob und wann Radovan Karadzic an das UN-Tribunal in Den Haag ausgeliefert wird. Auf einem Video ist Karadzic alias “Dragan Dabic” beim Besuch eines Sommerfests in einer Privatklinik nahe Belgrad zu sehen. Unter den Gästen befinden sich auch bekannte Ärzte, Künstler und Diplomaten – aber den jahrelang flüchtigen ehemaligen Serbenführer erkannte keiner von ihnen.

Ob Karadzics Festnahme Handelserleichterungen für Serbien bringen wird, ist fraglich: Die EU hat die entsprechende Entscheidung vertagt. Man wolle die Überstellung nach Den Haag abwarten, hieß es bei einem Treffen der EU-Botschafter. Der Einspruch von Karadzics Anwalt Svetozar Vujacic ist allerdings noch immer nicht beim Gericht eingetroffen – obwohl Vujacic den Brief nach eigenen Angaben am Freitagabend kurz vor Ablauf der Einspruchsfrist zur die Post brachte. Die weitere Taktik sei klar, erklärte Vujacic: “Bei der ersten Anhörung wird er schweigen und einen Aufschub von 30 Tagen verlangen. Wir wollen auch wissen, was mit seinem Laptop und den Disketten passiert. Es ist nicht fair, einem Bürger seine Verteidigungsmöglichkeiten wegzunehmen.”

Die Verzögerung gibt Karadzics Angehörigen die Gelegenheit, ihn oft zu besuchen. Sollte der Einspruch nicht bei Gericht ankommen, kann allerdings auch ein Ermittlungsrichter Karadzics Auslieferung anordnen. Karadzic selbst scheint sich auf eine längere Zeit im Belgrader Gefängnis einzustellen: Er bat um diverse Bücher, darunter Werke serbischer und russischer Autoren und Shakespeares “Sonnette”.