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Karadzic erhebt vorm Haager UN-Tribunal Vorwürfe gegen US-Unterhändler Holbrooke

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Karadzic erhebt vorm Haager UN-Tribunal Vorwürfe gegen US-Unterhändler Holbrooke

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Tag eins einer langen Reihe von Anhörungen von Radovan Karadzic vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal: Beim ersten Auftritt vor dem Richter in Den Haag musste er sich die Anklagepunkte anhören: Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bosnienkrieg.

Inzwischen seiner langen weißen Haarpracht und des Barts entledigt, verfolgte er das Verfahren konzentriert und stellenweise emotional: “Es geht um Leben und Tod. Herr Holbrooke will immer noch meinen Tod und bedauert, dass es in diesem Gericht keine Todesstrafe gibt. Ich frage mich, ob sein Arm lang genug ist, mich auch hier zu erreichen”, wetterte er gegen den früheren US-Unterhändler Richard Holbrooke. Dieser habe ihm beim Abschluss des Dayton-Friedensabkommens Straffreiheit zugesagt.

Zeit für Richter Alphons Orie, den Angeklagten zu unterbrechen: “Entweder haben Sie mich nicht richtig verstanden oder Sie ignorieren meine vorigen Anweisungen, dass Sie nämlich diese Fragen vor der Kammer zum geeigneten Zeitpunkt aufwerfen sollten.”

Karadzic nutzte die Gelegenheit auch, um die Umstände seiner Festnahme zu kritisieren: Er sei von Maskierten gefangen genommen worden und mehrere Tage ohne Recht auf einen Anruf oder eine SMS festgehalten worden.

Wie sein Mentor Slobodan Milosevic hat auch Karadzic entschieden, sich vor dem Gericht selbst zu verteidigen – er habe jedoch “unsichtbare Beratung”.

Chefankläger Serge Brammertz will aus den Fehlern beim Milosevic-Prozess lernen und das Verfahren zügig durchführen. Milosevic konnte wegen seines Todes in der Zelle nicht verurteilt werden. Der Chefankläger hat bestätigt, dass er die Anklageschrift gegen Karadzic noch überarbeiten will.

Jener wollte sich deshalb am ersten Tag vor Gericht noch nicht zu den Anklagepunkten äußern, sondern macht von der 30-Tage-Frist Gebrauch, die ihm zusteht.

Erst dann wird Radovan Karadzic auf schuldig oder nicht schuldig plädieren – laut seinem Bruder auf “nicht schuldig”. Der Vorsitzende Richter berief die nächste Sitzung für den 29. August ein.