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Ein großes Kapitel russischer Literatur: Alexander Solschenizyn ist tot

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Ein großes Kapitel russischer Literatur: Alexander Solschenizyn ist tot

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Alexander Solschenizyn ist tot. Der russische Literaturnobelpreisträger starb in Moskau im Kreis seiner Familie an Herzversagen. Er wurde 89 Jahre alt. Im vergangenen Jahr verlieh ihm der damalige Präsident Wladimir Putin den Staatspreis – die höchste russische Auszeichnung hatte der frühere Regimegegner zuvor immer abgelehnt. Aus der Sowjetunion ausgewiesen, war Solschenizyn erst 1994, nach zwanzigjährigem Exil, nach Russland zurückgekehrt.

Vertreter aus Politk und Gesellschaft sprachen der Familie des Schriftstellers ihr Beileid aus. Der frühere Sowjet-Präsident Gorbatschow würdigte Solschenizyns Beitrag zum Sturz des Totalitarismus. Und auch auf der Straße sitzen die Emotionen tief: “Damals lasen wir Solschenizyn heimlich”, sagt eine Frau: “Das war verboten. Aber es war eine Sensation, ein Vorgeschmack auf die Freiheit. Solschenizyn stand für Freiheit.”

“Mit Alexander Solschenizyn schließt sich ohne Zweifel ein großes Kapitel in der Geschichte unseres Landes. Er war eine umstrittene Persönlichkeit. Aber durch sein literarisches Schaffen hat er der russischen Gesellschaft viel vermacht”, so ein Passant.

Als einer der ersten Intellektuellen hatte Solschenizyn die Brutalität des Stalin-Regimes angeprangert. “Er hat vielen Menschen, auch mir, einen anderen Blick auf unsere Geschichte eröffnet”, sagt ein Mann in einer Moskauer Buchhandlung, “und auch einen anderen Blick auf die Zeit der Sowjetunion.

Bis zuletzt hatte Solschenizyn an der Herausgabe seines Gesamtwerks gearbeitet. Der Schriftsteller soll am Mittwoch auf dem Friedhof des Moskauer Donskoi-Klosters beigesetzt werden, auf einer selbst ausgewählten Grabstätte.