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Gulag-Überlebende: Solschenizyn brach das Schweigen

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Gulag-Überlebende: Solschenizyn brach das Schweigen

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Dass Solschenizyn es wagte, seine Erfahrungen im Gulag öffentlich anzuprangern, machte es auch seinen Leidensgenossen leichter, ihre eigenen Erlebnisse zu bewältigen. Mit seiner schonungslosen Beschreibung habe er das Schweigen gebrochen, erzählt Susanna Pechuro, die selbst mit 17 Jahren wegen Mitarbeit in einer regimekritischen Gruppe festgenommen wurde. Vier Jahre musste sie in einem Gefangenenlager im Nordwesten Russlands arbeiten, dann wurde sie nach Stalins Tod amnestiert.

“Die Leute, die nie dort gewesen sind, haben uns voller Horror gefragt, ob das wirklich so war. Wir haben ihnen nur ein bisschen von der Wahrheit erzählt.”

Wer den Gulag selbst erlebte, habe begriffen, dass das Regime kein Existenzrecht hatte, meint sie. Und: “Solschenizyns Werk war eine Heldentat, die die Leute zum Nachdenken brachte. Aber in “Archipel Gulag” wurden so schreckliche Dinge beschrieben, dass ich das Buch meinen Kindern und meinem Enkel erst zum Lesen gab, als sie schon etwas älter waren.”

Sie hat überlebt. Nach Schätzungen der Forscher starben allein von Mitte der dreißiger bis Mitte der fünfziger Jahre etwa eine Million Menschen in den Lagern.