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Letzte Hommage an Alexander Solschenizyn: Die Russen am Sarg des Literatur-Nobelpreisträgers

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Letzte Hommage an Alexander Solschenizyn: Die Russen am Sarg des Literatur-Nobelpreisträgers

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Hunderte Moskauer haben in der Akademie der Wissenschaften persönlich Abschied von dem russischen Schriftsteller und Regimekritiker genommen.

Als einer der ersten kam Wladimir Putin, Ministerpräsident und Ex-Staatsoberhaupt. Er hatte nach Solschenizyns Tod am Sonntagabend von einem großen Verlust für Russland gesprochen.

Ihr Mann sei so gestorben, wie er es sich gewünscht hatte, im Sommer und zu Hause, erklärte Solschenizyns Witwe Natalia.

Trotz nicht enden wollenden Regens standen die Menschen draußen geduldig Schlange, zumeist Ältere, den Jüngeren war er weniger bekannt.#

“Er war ein Mann ohne Partei, ohne Staat, ein einsamer Politiker, der sich dem Sowjetsystem entgegenstellte. Ob er gut oder schlecht war, darüber kann man streiten, aber die Tatsache, dass er ein politischer Gigant war, insbesondere ein einsamer Gigant, die ist unbestreitbar”, meint ein Journalist.

Und ein Physikprofessor aus Moskau hält dem Regimekritiker, der den Stalin-Terror offen anprangerte, zu Gute: “Er hat die moralischen Widersprüche unserer Zeit zum Ausdruck gebracht, mit Klarheit und Präzision. Und wenn wir über Reue sprechen – darüber hat er oft gesprochen – und über Verantwortung, dann hat er diese Verantwortung in Gänze ausgedrückt.”

Die literarische Auseinandersetzung mit seinen Erfahrungen im Gulag und den Methoden des Regimes brachte Solschenizyn und seiner Familie immerhin zwanzig Jahre Verbannung ins Ausland ein. An diesem Mittwoch soll er am Moskauer Donskoi-Kloster beigesetzt werden.