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Was der Konflikt im Kaukasus mit unserer Wirtschaft zu tun hat

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Was der Konflikt im Kaukasus mit unserer Wirtschaft zu tun hat

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Hinter diesem Zaun liegt eine Erdölleitung. Deshalb halten die Posten auch so wachsam Ausschau. Sie sollen alles verhindern, was den Fluß des “schwarzen Goldes” gen Westen stören könnte.

Und hier im “wilden Kaukasus” gibt es reichlich Störpotenzial. Auch solches, das aus regionalen Scharmützeln Konflikte machen kann, die weltweit stören.

Die Region zwischen den beiden Meeren, dem Schwarzen im Westen und dem Kaspischen im Osten, birgt Reichtümer. Schon seit hundert Jahren wird im und am Kaspischen Meer Öl gefördert – in der heutigen Republik Aserbaidschan.

Zusätzlich verlaufen inzwischen mehrere – zum Teil noch im Bau befindliche – Leitungen über den Kaukasus. Durch durch die gelbe auf der Karte strömt Gas.

Durch die grüne auf der Karte fließt Öl, das weiterverarbeitet an den Tankstellen Europas derzeit immer teurer wird.

Die Europäer machen sich Gedanken, wie sie aus ihrer starken Abhängigkeit von russischen Lieferungen herauskommen können.

Darum kann jede Unruhe, erst recht jeder Konflikt, in Gegenden, aus denen oder durch die Öl und Gas anderer Anbieter kommen, so schnell auch europäische Interessen berühreren.

Und Unruhegebiete gibt es nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion reichlich, wobei der Ursprung der Konflikte oft noch weiter zurückreicht, bis in die Kaukasuspolitik der Zaren im 19. Jahrhundert.

Darum versuchte erst im Juli der deutsche Außenminister Steinmeier in Tiflis für Zurückhaltung und Vernunft zu werben. Viel gebracht hat es offensichtlich nicht.

Ein selbstbewußtes Georgien strebt nach Westen, will in die EU und in die NATO, läd schon mal die Amerikaner zu gemeinsamen Manövern ein. Das kann im Kreml nur mit Verärgerung aufgenommen werden.

Schließlich bedeutet es für Moskau schwindenden Einfluß in einer Region, den die Kreml-Herren schon zu Zarenzeiten als ihre Einflußsphäre ansahen.

Wenn Georgien jetzt zu Mitteln der Gewalt greift, um sein völkerrechtlich verbrieftes Recht durchzusetzen, dann gefährdet das auch die Region um Sotschi am Schwarzen Meer, wo Rußland 2014 die Welt mit seinen Olympischen Spielen beeindrucken will.

Apropos Völkerrecht – auch da ist ähnlich wie im innerstaatlichen Recht Recht nicht gleich Gerechtigkeit. Wer die erzwingen will, riskiert Krieg.