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Warum gerade jetzt mit Gewalt, Herr Saakaschwili?

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Warum gerade jetzt mit Gewalt, Herr Saakaschwili?

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Im Kaukasus ist mal wieder Krieg. Angefangen von einem Präsidenten, der offensichtlich versuchte, mit einer Blitzaktion vollendete Tatsachen zu schaffen. Für einen Konflikt im Kaukasus gibt es mal wieder keine einfache Lösung. Dieses kleine Süd-Ossetien, nur anderhalb mal so groß wie Luxemburg, liegt in Trümmern, weil der georgische Präsident den völkerrechtlichen Anspruch seines Staates mit Gewalt durchsetzen wollte. Daß er sich zur Begründung seiner Entscheidung vor die EU-Fahne setzte, zeigt nur, was Michael Saakaschwili gerne hätte – nämlich die EU und die NATO hinter sich.

Möglicherweise hat der nicht mehr ganz so starke Mann in Tiflis ja auch gehofft, seine gesunkene Popularität zu retten, indem er sich als “Retter des Vaterlandes” inszeniert.
In jedem Fall dürfte Saakaschwili auf Unterstützung durch seinen größten Förderer George W. Bush gehofft haben, solange der noch im Amt ist, vermutlich ohne genau zu prüfen, ob sein Waffengang ins Konzept des Weißen Hauses paßt.

Und möglicherweise hat der Präsident in Tiflis überschätzt, wieweit sich der Präsident in Washington mit Moskau anzulegen bereit ist. Eine deutsche Tageszeitung schreibt dazu, beim Krieg in Südossetien gehe es – Zitat – “im Kern um die künftige Konfiguration des südlichen Kaukasus, wo sich Russland und die USA seit dem Ende der Sowjetunion einen knallharten Verdrängungswettbewerb liefern”.

Da geht es um Öl- und Gasvorkommen und um die Kontrolle der Transportwege Richtung Westen. Die NATO auch noch im Rücken – wenn Georgien denn beitritt – das interpretiert der Kreml als Neuauflage der alten Blockkonfrontation.

Michael Saakaschwili ist – im Westen weitgehend unbeachtet – vom Volkshelden zum gewöhnlichen Politiker geworden, der mit Kritik und Opposition zu kämpfen hat. Gerade mal 53 Prozent der Stimmen bekam er im Januar bei vorgezogenen Präsidentenwahlen, zu denen ihn Massenproteste gezwungen hatten. Die 96 Prozent nach der “Rosenrevolution “ sind ganze vier Jahre – und eine Ewigkeit her. Man weiß von anderen Politikern in anderen Konflikten, so ein Krieg kann Popularitätswerte wieder in die Höhe treiben.