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"Es war ein Versuch, das ossetische Volk zu zerstören..." - Sergeij Iwanow zur Krise im Kaukasus

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"Es war ein Versuch, das ossetische Volk zu zerstören..." - Sergeij Iwanow zur Krise im Kaukasus

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Im Südkaukasus haben die Waffen gesprochen, niemand weiß genau, ob der Waffenstillstand jetzt hält. Wie immer im Krieg beschuldigt jede Seite die andere. Unser Korrespondent Denis Loktew erfragte in Moskau beim stellvertretenden Ministerpräsidenten Sergeij Iwanow die russische Sicht.

Euronews
Herr Ministerpräsident, willkommen bei Euronews. Was ist aus Ihrer Sicht in den vergangenen Tagen geschehen?

Sergeij Iwonow
Es war ein Versuch, das ossetische Volk zu zerstören, es vom Territorium Südossetiens zu vertreiben, wobei Herr Saakaschwili und vielleicht einige seiner westlichen Sponsoren glauben, damit würde das Problem der Separatisten-Region gelöst. Und danach hatten sie geplant, wie aus Dokumenten hervorgeht, die wir jetzt kennen, die gleiche Operation in Abchasien durchzuführen. Das ist es, was sich abgespielt hat. Das war Völkermord, eine massenhafte physische Zerstörung von Tausenden von russischen Bürgern durch Artilleriebeschuß, durch Panzer und Schußwaffen. Im Grunde genommen wurde eine ethnische Säuberung durchgeführt.

Euronews
Wenn Russland Beweise für einen Völkermord in Südossetien hat, warum werden die nicht dem UN-Sicherheirsrat vorgelegt, um Sanktionen zu erreichen?

Sergeij Iwanow
Über einige Tage hin hat die Russische Föderation eine Militäroperatiion zur Erzwingung von Frieden durchgeführt. Die Operation ist jetzt erfolgreich abgeschlossen. Dabei meine ich, daß Georgien heute nicht mehr in der Lage ist, seine militärische Offensive in in Südossetien oder Abchasien zu wiederholen. Und erst jetzt, nachdem die Operation abgeschlossen ist und ihr Ziel erreicht hat, arbeiten die russischen Staatsanwälte und andere Rechtspflegeorgane vor Ort daran, die Beweise zu sammeln, die dann der internationalen Gemeinschaft vorgelegt werden, verbunden mit weiteren Vorwürfen gegen die georgische Führung.

Euronews
Die Situation in Südossetien hatte sich über lange Zeit hin verschärft. War die russische Militäroperation vorbereitet oder wurde sie nur nach den Berichten über getötete russische Zivilisten und Soldaten der Friedenstruppe ausgelöst?

Sergeij Iwanow
Lassen sie uns vernünftig bleiben. Wenn die Russische Föderation vorab von solchen irrsinnigen Plänen von Saakaschwili informiert gewesen wäre, dann hätten wir entsprechend gehandelt und unsere Streitkräfte dirkt an die Grenze zwischen Russland und Südossetien beordert, zum Rockskiy-Tunnel. In diesem Falle hätten wir innerhalb von wenigen Stunden gehandelt. Aber so lief das natürlich nicht, weil wir die Pläne von Saakaschwili nicht kannten. Natürlich benötigten wir etwas Zeit – mehr als einen Tag – um unsere Truppen zum Schutze unserer Zivilisten und Friedenstruppen nach. Südossetien zu schicken. Und in dieser Zeit beschossen georgische Truppen unbehelligt eine Stadt, feuerten darauf mit Panzern und Artillerie, wurden Kinder von Panzern überrollt, verbrannten in ihren Häusern eingeschlossene Frauen – alles zusammen vollendeter Völkermord und ethnische Säuberung.

Euronews
Georgien sagt, es handele sich um Verteidigung und daß seine Truppen beim Sturm auf Zchinwali keine zivilen Ziele angegriffen haben.

Sergeij Iwanow
Verteidigung gegen wen? Gegen das ossetische Volk? In dem Moment, als Georgien seine Militäraktion in der Konfliktzone durchführte, standen dort ungefähr 350 Mann der nur mit Maschinengewehren bewaffneten russischen Friedenstruppe, weil dort laut Abkommen keine anderen Waffen erlaubt sind. Da gab es weder Raketen nach Panzer. Es gab nur Friedenstruppen und dort lebende Zivilisten. Und die im Verhältnis zur georgischen Armee sehr kleinen Streitkräfte von Südossetien. Gar nicht vergleichbar! Wogegen hat sich Georgien eigentlich verteidigt? Es hat sich nicht verteidigt, es hat angegriffen. Und erst nachdem wir unsere zusätzliche Truppen zur Verstärkung des Friedenstruppen-Kontingents entsandt und eine legitime Operation zur Erzwingung des Friedens gestartet hatten – erst dann begann Saakaschwili hysterisch zu schreien, Russland würde ihn angreifen.

Euronews
Was war mit ihren Schlägen gegen Ziele außerhalb der Konfliktzone? Gegen Ziele innerhalb von Georgien? Zeugen berichteten von zivilen Zielen.

Sergeij Iwanow
Zeugen ? Ich würde das eher als etwas bezeichnen, das aus dem Mund von Präsident Saakaschwili kam. Ich würde solchen Zeugen nicht zu sehr vertrauen, vieles davon erinnert an Goebbels-Propaganda, an den Versuch, Weiß in Schwarz zu verwandeln und umgekehrt. Es sieht nach dem Versuch aus, ein Opfer als Agressor hinzustellen und umgekehrt. Unsere Bodentruppen haben niemals die Grenze der Konfliktzone überschritten. Im Gegenteil, sie führten Gegenschläge als Antwort auf die Angriffe der georgischen Streitkräfte, die mit Artillerie auf Zchinwali zielten. Irgendwelche Spekulationen, Gerüchte und ausgestreute Desinformationen über russische Panzer, die angeblich nach Gori eindrangen, über russische Flugzeuge, die Tiflis bombadierten, waren Lügen nach Goebbels-Art, verbreitet von der georgischen Führung.

Euronews
Warum unterstützt nach ihrer Meinung mit Ausnahme von Kuba nicht ein einziges Land die russische Militäraktion?

Sergeij Iwanow
Vielleicht weil mit zweierlei Maß gemessen wird. Sehen sie, Russland hatte nach dem, was die georgische Führung getan hat, keine Wahl. Unsere Bürger werden massenhaft vernichtet und niemand wird das je widerlegen.

Euronews
Für wie sicher halten sie den nun zwischen Russland und Georgien vereinbarten Waffenstillstand?

Sergeij Iwanow
Ich hoffe, er ist sicher. Ich hoffe, daß die georgische Führung genug Vernunft besitzt, um das Abenteuer nicht zu wiederholen , das zu nichts geführt hat. Ich hoffe sehr, daß die Waffenruhe Bestand hat. Aber ich möchte wiederholen: Um ihre lange Dauer zu gewährleisten, werden wir das Notwendigen tun für die Sicherheit unserer russischen Bürger in Südossetien und Abchasien.

Euronews
Mit welchen Aktionen genau? Wird die russische Armee auf dem Territorium der nichtanerkannten Republiken stationiert?

Sergeij Iwanow
Nicht die russische Armee sondern Friedenstruppen auf legitime Basis. Sie müssen mir zustimmen, das macht einen großen, einen grundlegenden Unterschied.

Euronews
Georgien nennt sie “Okkupationstruppen”.

Sergeij Iwanow
Georgien mag sie nennen, wie man dort will, das ändert nichts an der Sache.

Euronews
Danke für das Interview