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Dalai Lama: NATO-Hauptquartier nach Moskau verlegen

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Dalai Lama: NATO-Hauptquartier nach Moskau verlegen

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Der Sohn armer Bauern, geboren, hieß mit bürgerlichem Namen Lhamo Dhondrub.
Als er drei Jahre alt war, erkannten Mönche in ihm die Wiedergebut des 1933 verstorbenen 13. Dalai Lama. 1940 wurde er als 14. Dalai Lama in Lhasa intronisiert. Dem 15jähringen wurde traditionsgemäß auch die weltliche Herrschaft über Tibet übertragen. Das war 1950. Acht Jahre später floh er vor den chinesischen Kommunisten, die ihre Ideologie auch den buddhistischen Tibetern aufzwingen wollten, ins indische Exil, wo er bis heute lebt. Er wurde zum Symbol für eine gewaltlos zu erreichende Autonomie Tibets.

Dalai Lama: Tibet ist etwas Geheimnisvolles. Wer zum ersten Male in dieses Land kommt ist voller Neugier Denn vielleicht zeigen dank der Veröffentlichungen mehr und mehr Menschen Interesse an einigen meiner Ideen. Meine wichtigste Botschaft, meine wichtigste Idee ist natürlich – jedes menschliche Wesen hat das Recht auf ein glückliches Leben und eine glückliche Familie. Um das zu erreichen, nehmen wir generell nur das Geld wichtig , die materiellen Werte. Wir widmen unseren inneren Werten nicht nicht genug Aufmerksamkeit. Eine andere Sache ist die Harmonie zwischen den verschiedenen religiösen Traditionen. Ich empfinde wirklich tiefen Respekt und Bewunderung für diese verschiedenen Traditionen. Einige christliche Freunde bezeichnen micht als guten Christen… Wir haben eine gemeinsame Erfahrung, gemeinsame Praxis trotz unterschiedlicher Philosophie. Und dann sagen mir manche Leute, sie lieben mein Lächeln…..ha..ha..ha…

Euronews: Die Olympischen Spiele gehen zuende, die Länder feiern ihre Sieger…und gleichzeitig sagen Sie, Tibet leide immer noch unter einer neuen “Kulturrevolution”. Wie ist gerade jetzt während wir hier sprechen die Lage in Tibet?

Dalai Lama: Grundsätzlich sehr angespannt. Viel Armee ist dort, viel Sicherheitspersonal, überall. Und überall, wo Tibeter leben, wird jetzt – so sagen bestimmte Informationen – , mit dem Bau von Kasernen begonnen. Das heißt, die militärische Präsenz wird andauern. Das weißt darauf hin, daß die aggressive Politik weitergeht.

Euronews: Haben sie vor, an Ihren Methoden etwas zu ändern, an ihrem “Mittelweg”? Wollen Sie den Chinesen Zugeständnisse machen? Die Chinesen trauen Ihnen, wenn Sie sagen, Sie wollen nicht die Unabhängigkeit, nicht die Anerkennung Ihrer Exilregierung, der tibetanischen Fahne und Hymne. Gibt es Opfer oder Zugeständnisse, zu denen Sie bereit sind?

Dalai Lama: Da es in unserem eigenen Interesse liegt, sind wir fest entschlosssen. in der Volksrepublik China zu bleiben. Weil Tibet ein materiell rückständiges Binnenland ist mit wenig Bevölkerung…darum liegt es in unserem Interesse, in der Volksrepublik China zu bleiben. Wir haben aber auch unsere unsere eigene Sprache haben und damit…..ein hochentwickeltes kulturelles Erbe und insbesondere eine sehr reiche buddhistische Tradition. Es geht nicht nur um die sechs Millionen Menschen in Tibet, sondern um zahlreiche weitere Menschen in der Region, die den gleichen Buddhismus, die gleiche buddhistische Kultur teilen. Der beste Weg für die Bewahrung der Kultur und auch der Umwelt ist, daß alles außer Außenpolitik und Verteidigung, also Bildung und Wirtschaft und natürlich religiöse Angelegenheiten von den Tibertern selbst geregelt wird. Also: Autonomie. Die gegenwärtig gültige chinesische Verfassung bietet allen tibetischen ethnischen Gruppen einen Autonomiestatus. Auch das Chinesische Weißbuch über die Rechte der Minderheiten ist gut – viele gute Punkte, aber nur auf dem Papier, diese Punkte werden bisher nicht umgesetzt!

Euronews: Es gibt Unterschiede zwischen der buddistischen Gemeinschaft und der tibetischen Gemeinschaft. Manche Leute aus der jüngeren Generation sind zum Beispiel nicht einverstanden mit dem Mittelweg….sie werden ungeduldig. Fürchten Sie, es wird noch mehr Gewalt geben?

Dalai Lama: Das denke ich nicht! Gerdae die Jugendorganisation, die tibetische Jugendorganisation unterstützt voll das Prinzip der Gewaltlosigkeit. In Bezug auf Unabhängigkeit, den anderen politischen Standpunkt, wollen sie von Beginn an volle Unabhängigkeit. Mir sind voll überzeugt von der Demokratie. Verschiedene Stimmen, verschiedene Ansichten, verschiedene Ideen sind also willkommen!.

Euronews: Der amerikanische Präsident George W. Bush hat Sie in diesem Jahr empfangen, in Europa Angela Merkel, Gordon Brown… Der französische Präsident Sarkozy als EU-Ratspräsident nicht. Sie haben den französischen Außenminister Kouchner getroffen und Frankreichs Präsidentengattin Carla Bruni-Sarkozy. Sind Leute aus dem show-business für Tibet nützlicher als politische Führer?

Dalai Lama: Für etwas Publicity vielleicht. ha…ha…ha… Aber der französische Präsident und auch der Außenminister haben sofort ihrer Besorgnis Ausdruck gegeben, als sich die Krise nach dem 10. März zuspitzte.

Euronews: Was erwarten Sie darüber hinaus von den Politikern der Welt?

Dalai Lama: China ist das bevölkerungsreichste Land und ein sehr wichtiges. Gute Beziehungen dorthin sind sehr, sehr wichtig. China sollte an die große demokratische Strömung in der Welt herangeführt werden. Demokratie, Rechtsstaat, Offenheit, freie Information, freie Medien…all das ist sehr wichtig… Und natürlich Menschenrechte, Religionsfreiheit…. das sind universelle Werte. Und bei diese Prinzipien sollten alle Menschen, alle Regierungen, hart bleiben!

Euronews: Wenn politische Führer wie der französische Präsident zur Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele fahren und an China zwei Nuklear-Reaktoren verkaufen – Sie aber nicht treffen – meinen Sie, das hilft der Demokratie?

Dalai Lama: Das müssen Sie beurteilen…ha….ha….ha…

Euronews: In Ihren Reden haben Sie in dieser Woche angeregt, daß das Hauptquartier der Europäischen Union nach Polen verlegt werden sollte. Und Russland sollte der NATO beitreten, und die sollte ihr Hauptquartier in Moskau einrichten… (Dalai Lama lacht)

Euronews: Haben Sie ein Problem mit Brüssel?

Dalai Lama: Nein! nein, nein… Ich bin ein Bewunderer der Europäischen Union. Ich habe sie immer gelobt. Meiner Ansicht nach muß der Geist der Europäischen Union verbreitet werden. Und jetzt hat sich bedauerlicherweise, obwohl die Sowjetunion verschwunden ist, in der Russischen Föderation anscheinend das alte Denken wieder breit gemacht. Alle Arten von alten Tendenzen oder Gewohnheiten sind wieder da! Das ist nicht gut! Die große russische Nation muß der Welt und der Europäischen Gemeinschaft nahegebracht werde! Und um Distanz und Furcht zu verringern sollte das NATO-Hauptquartier nach Moskau umgesiedelt werden. Und Russland sollte als Mitgliedsland willkommen geheißen werden! Dann wird die Furcht verschwinden! Das ist meine Begründung! Ich habe nichts gegen Brüssel! Nichts, niemals!.

Euronews: Mitgefühl ist der zentrale Punkt Ihrer Philosophie. Kann das in jeder Situation auf der Welt gelten? Kann es zum Beispiel auch bei Terrorismus gelten?

Dalai Lama: Oh ja! Mitgefühl gegenüber dem Menschen, nicht der Tat. Nehmen wird das Beispiel Terrorismus: Wenn ein Terrorist als Mensch betroffen ist sollten wir ihm unsere Sorge, unser Mitgefühl zeigen. Auch Terroristen sind menschliche Wesen! Wenn wir ihnen gegenüber Mitgefühl zeigen, dann gibt es eine reale Chance auf Änderung. Wenn wir ihnen aber wegen ihres Verhaltens mit Hass entgegentreten, schaffen wir nur immer mehr Terroristen. Heute gibt es einen Bin Laden, dann vielleicht zehn, dann hundert Bin Ladens.
Mitgefühl ist die einzige Kraft, um dem Einhalt zu gebieten ! Aber nur, wenn dieses Mitgefühl dem Missetäter entgegenbringen. Seine Tat müssen wir ablehnen.

Euronews: Viele Menschen wundern sich über Ihren Erfolg. Sie sprechen offen über Rücktritt – sind aber voller Energie. Wollen Sie wirklich in den Ruhestand?

Dalai Lama: Meine beiden Hauptverpflichtungen sind die beförderung der menschlichen Werte und der religiösen Harmonie. Und die dritte Verpflichtung ist der Kampf für Tibet. Der tibetische Kampf ist der Kampf des Volkes. Solange ich da bin habe ich dazu meinen Beitrag zu leisten. Ich habe dem Volk zu helfen, ihm zu dienen. Aber die wirkliche Verantwortung muß das Volk selbst tragen! Die Lama-Herrschaft ist überholt. Wenn das tibetische Volk fühlt, daß diese Institution nicht länger zeitgemäß ist. OK, wenn dieses Gefühl entseht, dann wird die Institution Dalai Lama verschwinden… Dafür bin ich! Vielleicht ist der 14. Dalai Lama nicht der beste Dalai Lama, vielleicht ist er auch nicht der schlechteste… Er ist populär… Wenn also auf dieser Stufe die Institution Dalai Lama verschwindet, dann wird dieser Dlai Lama einen würdevollen Abschied nehmen… Das ist viel besser Er lacht ) Eine neue Reinkarnation kann womöglich eine Schande werden… das wäre das Schlimmste…

Euronews: Ihre Heiligkeit, vielen Dank, daß Sie Euronews empfangen haben…..