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Frontenwechsel in der ukrainischen Politik

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Frontenwechsel in der ukrainischen Politik

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Vor dem Hintergrund des neuen Streits wirken die alten Bilder der Einigkeit wie aus einer anderen Epoche… Dabei ist es noch nicht einmal ganz vier Jahre her, seit im Zentrum vom Kiew die Menge mit siegestrunkenen Gesängen ihre beiden Heroen feierte…

Viktor Juschtschenko wurde Präsident und Julia Timoschenko Regierungschefin. Sie dauerte aber nicht lange – diese beim Blick von außen so ideal erscheinende Zusammenarbeit.

Schaut man heute zurück, erscheint das politische Verhältnis der beiden starken Charaktere geprägt von Zerwürfnissen und Wiederannäherungen.

Beide profitierten zunächst auf der internationalen Bühne von Etikett “pro-westlich”, wobei der durch einem Giftanschlag entstellte Juschtschenko noch dazu mit Opfer-Bonus immer als der ganz besonders Gute erschien.

Dabei hatte schon bei den Wahlen 2007 innenpolitisch die Dame die besseren Karten mit ihrer ganz auf sie persönlich zugeschnittenen Partei “Block Julia Timoschenko”.

Während Juschtscheko bei der Bevölkerung an Unterstützung verliert, hat sie auch im russisch-sprachigen Osten des Landes ihre Anhänger. Völlig zerstritten haben sich die beiden diesmal beim Thema Georgien.

Während der Präsident sich in Tiflis demonstrativ in die Unterstützerfraktion für seinen Kollegen Saakaschwili einreihte, hielt Timoschenko sich zurück. Woraufhin das Juschtschenko-Lager ihr “Hochverrat” vorwarf.

Der Präsident möchte nach dem Waffengang im Kaukasus lieber heute als morgen sein Land in die NATO führen. Dafür bekommt er aber bei der Bevölkerung der Ukraine keine Mehrheit.

Kenner der Szene vermuten nun, daß Timoschenko bereits die nächste Präsidentenwahl im Blick hat.

Die könnte 2009 oder 2010 stattfinden. Bei einer wohl dosierten Unterstützung aus Moskau rechnet sie sich womöglich Chancen aus.