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Viele Flüchtlinge noch nicht in georgische Krisengebiete zurückgekehrt

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Viele Flüchtlinge noch nicht in georgische Krisengebiete zurückgekehrt

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Die Spuren des Blitzkriegs sind noch deutlich sichtbar in der georgischen Stadt Gori. Als die Russen Stalins Geburtsstadt im August bombardierten, ergriffen viele Bewohner die Flucht. Zuvor waren tausende Nachbarn aus der Pufferzone zwischen Georgien und Südossetien hierher geflohen.

Das UN-Flüchtlingskommissariat schätzt die Zahl der Binnenvertriebenen allein in Georgien nach dem Konflikt auf etwa 128.000. Allmählich kehren sie zurück – doch laut UN-Flüchtlingskommissar sind mindestens 50.000 noch nicht wieder daheim, weil die humanitäre Hilfe nicht überall hingelangt.

Und die Rückkehrer fühlen sich in ihren verwüsteten Dörfen oft schutzlos und allein gelassen. “Das ist natürlich gefährlich: Wenn ossetische Milizen hier durchkommen – was können wir dann tun? Nichts”, klagt Heimkehrer Tristan Kasabishvili, räumt aber auf Nachfrage ein, dass in der vergangenen Woche keiner vorbeigekommen sei.

Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht. Georgier, Südosseten und Russen werfen sich gegenseitig Kriegsverbrechen und ethnische Säuberung vor. Für Reed Brody von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch ist klar: “Es ist ziemlich offensichtlich, wenn Sie sich anschauen, welche Häuser zerstört wurden, welche Dörfer zerstört wurden, dass hier ethnische Ziele angegriffen wurden: Dass hier ethnische Georgier das Ziel waren und deren Häuser niedergebrannt wurden.”

Ein Blick auf die andere Seite – ins abtrünnige Südossetien. Über die genaue Zahl der Toten während der Gefechte streiten Russland und Georgien. Jahrhundertelanges Misstrauen und Feindschaft bei den Osseten gegenüber den Georgiern wurden im August noch verschärft: Die Ossetin Zalina Kokieva erzählt: “Als wir die Georgier kommen hörten, habe ich nur an eins gedacht: Wie kann ich am schnellsten sterben, ohne zu sehr zu leiden.”

Und ihr Landsmann Dimitri Chorebov schimpft: “Die Europäische Union sollte sich schämen. Sie redet von Einheit mit Georgien, aber wie können sie mich denn zwingen, mit meinen Feinden zusammenzuleben, die mich umbringen wollen?”

Etwa 34.000 Südosseten sind nach russischen Angaben vor dem Konflikt in die Russische Föderation geflohen. Auch hier sind viele noch nicht heimgekehrt. Und das Zusammenleben dürfte künftig nicht einfacher werden…