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Was bleibt von den beiden österreichischen Volksparteien nach dieser Wahl?

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Was bleibt von den beiden österreichischen Volksparteien nach dieser Wahl?

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Dem Parteivorsitzenden der österreichischen Konservativen scheint in diesem Wahlkampf manchmal das Lächeln Schmerzen zu bereiten. Im Juli hatte Wilhelm Molterer als Vizekanzler die Koalition mit den Sozialdemokraten aufgekündigt, weil die Genossen immer mehr in die euro-skeptische Ecke abdrifteten.

Danach sahen Meinungsforscher seine ÖVP zunächst knapp vor der SPÖ – bis Österreichs populistisches Massenblatt “Kronenzeitung” sich auf die Seite der Roten schlug. Die “Krone”, wie sie ihre Leser nennen, hat eine Reichweite von 43 Prozent! Wer von ihr bekämpft wird, stürzt ab. Das erleben gerade Wilhelm Molterer und seine Partei. Die SPÖ liegt jetzt in Umfragen vorn. Nun muß er sich schon bei Wahlreden mit einer Boulevard-zeitung auseinandersetzen. Molterer sagte in einer Wahlveranstaltung: “ Ich bin vielleicht nicht die Krone der Schöpfung – aber was ich ganz sicher nicht bin ich ist eine Schöpfung der KRONE. Das darf es nicht geben in dem Land, nicht mit uns, nicht mit mir.”

Dabei haben beide große Parteien in Österreich soviel an Einfluß verloren, daß sie kaum noch den Namen “Volkspartei” verdienen.

Auch der SPÖ wird nur noch ein Ergebnis deutlich unter 30 Prozent zugetraut.
Und das trotz der massiven Wahlkampfhilfe der “Kronenzeitung”, die seit Wochen die EU als Hauptfeind der Österreicher an den Pranger stellt. Ihr neuer Chef und Spitzenkandidat Werner Faymann war noch bis 2007 Lokalpolitiker in Wien.

Nach dem Scheitern von SPÖ-Kanzler Gusenbauer schaffte es der eben noch weithin unbekannte Verkehrsminister bis an die Spitze der Beliebtheitsskala. Dazu dürfte wohl die “Kronenzeitung” das ihre beigetragen haben.

Parteichef Faymann vor Wählern: “Ich spüre so wie ihr, wenn eine Bewegung in Schwung kommt, wenn das Selbstvertrauen kommt, wir gemeinsam aufstehen und ein gemeinsames Ziel verfolgen. Und ich spüre den Einsatz, der in den letzten Wochen sich gesteigert hat.”

Sein persönlicher Einsatz war ein Tabubruch: Wenige Tage vor der Wahl legt Faymann dem Parlament 5 “Reformanträge” vor, die in der Koalition am Widerstand der ÖVP gescheitert waren. Es geht dabei um Steuererleichterungen, höheren Renten und Pflegegelder. Seine politischen Gegner nennen das “Vor-Wahlgeschenke”. Die könnten ihm aber zusammen mit der massiven Wahlkampfunterstützung des Massenblattes einige wichtige Prozentpunkte bringen.