Eilmeldung

Eilmeldung

Nach sieben Jahren Westpräsenz: Zweifel an militärischer Lösung in Afghanistan

Sie lesen gerade:

Nach sieben Jahren Westpräsenz: Zweifel an militärischer Lösung in Afghanistan

Schriftgrösse Aa Aa

In Afghanistan melden immer mehr westliche Militärs und Zivilisten Zweifel an, ob der Konflikt mit den aufständischen Taliban mit militärischen Mitteln zu gewinnen ist – so etwa der britische Brigadegeneral Mark Carleton-Smith, ein hoher UN-Vertreter oder Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten herrschen Krieg und Bürgerkrieg in Afghanistan. Seit dem Sturz der Taliban-Regierung durch US-geführte Truppen 2001 war die Gewalt im Alltag nie so gegenwärtig wie heute.

80 Prozent der Afghanen sollen sich dennoch zufrieden mit der Präsenz der westlichen Soldaten in ihrem Land geäußert haben.

Ein Mobiltelefon-Kunde: “Im Vergleich zu 2001 hat sich hier viel verändert. Heute hat jeder Mobiltelefon. Vor sieben Jahren mußte man zum Telefonieren noch nach Pakistan fahren. Nach dem Fall der Taliban hat sich viel verbessert.”

Das Internationale Rote Kreuz (IKRK) befürchtet in Nordafghanistan eine neue Massenflucht wegen Dürre, steigender Lebensmittelpreise und Unsicherheit.

Ein Arbeitsloser: “Die ausländischen Truppen haben Unglück über unser Land gebracht. Unsere Wirtschaft wird immer schwächer. Es gibt keine Arbeit. Das Volk leidet jeden Tag. Wir hier warten von früh bis spät auf Arbeit – keine Chance.”

Seit Januar 2002 unterstützt die deutsche Bundeswehr zusammen mit bis zu 37 anderen Nationen als Teil der internationalen Schutztruppe ISAF (International Security Assistance Force) den Wiederaufbau des Landes. Das Isaf-Mandat läuft am 13. Oktober aus – Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier will das ISAF-Kontingent von 3500 auf 4500 Mann verstärken, die Spezialtruppe KSK dagegen abziehen.

Diese Aufstockung reicht den amerikanischen Militärs nicht aus, sie fordern 9000 deutsche Soldaten. Von Japan und den NATO-Verbündeten, die keine Truppen in Afghanistan haben, verlangen die USA Geld – die Rede ist von mehr als 12 Milliarden Euro. Am Dienstag debattiert der deutsche Bundestag über die deutschen Afghanistan-Mandate. Im Vorfeld hat die CSU eine Ausstiegsstrategie gefordert.