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Angola-Gate-Prozeß in Paris eröffnet

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Angola-Gate-Prozeß in Paris eröffnet

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In Paris hat ein Prozeß um Waffenhandel und Schmiergelder begonnen – mit 42 ehemals sehr einflußreichen Politikern und Geschäftsleuten auf der Anklagebank. Bei den Waffen handelte es sich um Restbestände des “Kalten Kriegs”, die zu Beginn der 90er Jahre nach dem Abzug der Roten Armee in den Ostblockstaaten lagerten. Die wurden ins Bürgerkriegsland Angola geliefert und mit Erdöl bezahlt.

Der Deal lief über eine Firma namens BRANCO mit Sitz in Paris. Gegründet vom Geschäftsmann Pierre Falcone für den Handel mit Öl und Waffen. Den passende Krieg und auch das Öl dazu hatte das west-afrikanische Angola.

Dort kämpfte Präsident Eudardo dos Santos, der gerade seine kommunistischen Unterstützer in Osteuropa verloren hatte, gegen die Rebellen der “Unita”. Als ihm 1993 über Mittelsmänner aus Paris das Geschäft Waffen gegen Öl angeboten wurde, griff er schnell zu.

An dieser Stelle kommt an der Seite des Waffenhändlers Falcone ein gewisser Arkadi Gaydamak ins Spiel, rechts im Bild. In der Sowjetunion geboren, mit 19 erst nach Israel und von dort nach Frankreich ausgewandert. Der richtige Mann also, um die die Produkte sowjetischer Waffenfabriken günstig aufzukaufen.

Für den Verkauf ins Krisengebiet nutzte man die guten Beziehungen von Jean-Christophe Mitterrand, Sohn des linken französischen Präsidenten und von Papa mit dem Posten eines “Afrika-Beraters” versorgt. Der saß dafür Anfang 2001 schon einmal 3 Wochen in Untersuchungshaft, aus der ihn Mama gegen 33.000 Euro Kaution rausholen konnte.

Nun hatten aber 1993 gerade die Konservativen die Wahlen gewonnen und Charles Pasqua – links im Bild – war Innenminister. Ihm wirft die Anklage vor, zusammen mit seinem Berater Marchiani nützliche Lobbyarbeit geleistet und dafür reichlich kassiert zu haben.

Lobby rechts – Lobby links… Jacques Attali heißt der Mann, damals mit Zugang zum Präsidenten Mitterrand, und daher auch ungemein nützlich – und empfänglich für größere Summen.

Die Geschäftsleute Falcone und Gaydamak wollten ein 790-Millione-Dollar-Geschäft mit fast 50prozentiger Rendite abwickeln. Dafür zahlten sie an Mitterrand junior 2,6 Millionen Dollar, an den konservativen Pasqua und seinen Berater 311.00 Dollar, an den umtriebigen Schriftsteller Sulitzer mit viel Medieneinfluß gut eine halbe Million, an Präsidentenberater Attali 160.000 Dollar.

Sarko & dos Santos Inzwischen ist aus dem armen Bürgerkriegsland Angola der größte Ölförderer in Afrika geworden. Es gibt dort Uran, das im Frankreich der vielen Atomkraftwerke dringend gebraucht wird. Angolaner sind nicht unter den Angeklagten in Paris.