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Aserbaidschan - das voraussehbare Wahlergebnis

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Aserbaidschan - das voraussehbare Wahlergebnis

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In Aserbaidschan wird morgen ein neuer Präsident gewählt. Im Straßenbild ist unübersehbar, wer die besten Chancen hat. Ilcham Alijew, 46 Jahre alt, steuert seine zweite Amtszeit an. Nach dem Tod seines Vaters Haider Alijew, der das erdölreiche Land seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion geführt hatte, ging die Macht an den Sohn über.
2003 wurde der mit offiziell mehr als 80 Prozent der Stimmen gewählt. Vorwürfe, sei sei dabei weder frei noch fair zugegangen, prallen an dem starken Mann von Baku ab.

Von den 8 Millionen Einwohnern leben rund drei-einhalb Millionen rund um die Hauptstadt Baku, wo auch die Erdölindustrie angesiedelt ist, 2 Millionen leben in Russland. Das weite Land ist sehr dünn besiedelt.

Das Erdöl – das selbst geförderte und das durch Pipelines über aserbaidschabisches Gebiet transportierte – hat das kleine Land zu einer der am stärksten wachsenden Volkswirtschaften der Welt gemacht, urteilen Experten.
Auf den westlich modernen Einkaufs-Straßen von Baku trifft man jenen Teil der Bevölkerung, der davon profitiert.

Diesen Zahnarzt zum Beispiel, der Präsident Alijew wieder wählen will in der Hoffnung, daß dessen Strategie für ein besseres Leben aufgeht.

Nach dem Ende der Sowjetunion hofften viele Aserbaidschaner auf Verhältnisse wie in Dubai.
Die bekamen sie – aber nur in politischer Hinsicht.
Auch in Dubai gibt es keine echte Opposition.
In Aserbaidschan stellen sich diesmal 6 weitere Präsidentschaftskandidaten zur Wahl – die Wähler erfahren nur kaum etwas davon
Die Medien beherrscht Präsident Alijew.

Isa Gambar von der Oppositionspartei “Müsavat”
spricht von einer Komödie, bei der ein Wahlprozeß imitiert werde.

Ali Kerlimli, Chef der “Volksfrontpartei” beklagt die laxe Haltung des Westens. Er fragt, warum der Westen hier nicht den gleichen Maßstab anlege wie bei Wahlen in Pakistan oder Simbabwe.
Aserbaidschan wolle doch in die NATO.
Warum kümmern sich deren Mitglieder denn so wenig um die Zukunft der Demokratie in diesem Land so nahe bei Europa?

Das Öl fließt, die Straßen sind sauber, im Konflikt mit Armenien um Berg-Karabach herrscht Waffenstillstand – und politische Debatten finden nicht statt, konstatiert die internationale Journalistenorganisation “Reporter ohne Grenzen”.