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Zum Streit um die griechische Rentenreform

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Zum Streit um die griechische Rentenreform

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Für die derart heftig angegriffene Regierung dürfte nichts, aber auch gar nichts überraschend kommen.
Schon im März hatte sie das Volk vor den Toren des Parlaments in Athen – damals mit der Forderung,
“Finger weg von der Änderung des Rentensystems”.

Dabei war das 2004 vor seiner ersten Amtszeit doch ein ganz wichtiges Wahlversprechen des konservativen Regierungschefs Kostas Karamanlis gewesen.
Heute muß er sich vor allem den Vorwurf gefallen lassen, zu lange gezögert zu haben.
So lange, daß erst in letzter Minute vor dem totalen Zusammenbruch die Zahl der 130 Rentenkassen auf 13 reduziert wurde.

Wie in anderen europäischen Ländern schreckten die Regierenden zu lange davor zurück, klar zu sagen, daß mit höherer Lebenserwartung und sinkender Zahl von Beitragszahlern das Rentenalter herausgesetzt werden muß.
In Griechenland nun auf 60 Jahre für Frauen und 65 für Männer.

Die griechische Bevölkerungsentwicklung läßt sich einfach nicht schönreden. Sie besagt :
Nur noch 1,41 Kinder pro Frau – dafür eine Lebenserwartung von 82 Jahren bei Frauen und 77 bei Männern.

Kamen noch 1995 zweieinhalb Arbeitende auf einen Rentner – so waren es 2006 nur noch 1,79.
Da überrascht die Warnung von Experten nicht, daß die griechischen Rentenkassen auf ein ein Defizit zusteuern, das fast doppelt so hoch ausfallen dürfte wie das Bruttoinlandsprodukt.

Eine der Ursachen liegt in der weit verbreiteten Schwarzarbeit. Die führt zu der viel zu späten Erkenntnis vieler Griechen, daß sie für eine halbswegs ausreichende Rente viel zu wenig eingezahlt haben.

So lassen sich auch die folgenden Zahlen erklären:
Während sich das Brutto-Inlands-Produkt pro Kopf im europäischen Mittel bewegt, kommt laut Gewerkschaftsangaben jeder Fünfte nur auf legal verdiente 5.000 euro pro Jahr.

Im Klartext:
20 Prozent der Menschen, die später Rente beziehen wollen, zahlen Jahr für Jahr viel zu wenig – oder gar nichts – in die Rentenkassen ein.
Rund zwei Milliarden euro verlieren die Kassen jährlich durch Schwarzarbeit.

Kommen dann noch wirtschaftliche Turbulenzen dazu mit Entlassungswellen wie jener im Zusammenhang mit der Privatisierung der Fluggesellschaft Olympic Airways – dann treibt die Zukunftsangst die Griechen in Massen auf die Straße.