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Frankreichs Sozialisten am Scheideweg

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Frankreichs Sozialisten am Scheideweg

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In Frankreich fällt schon das Wort “Rosenkrieg”, wenn vom innerparteilichen Gezänk in der Sozialistischen Partei die Rede ist.
Die traditionsreiche Linke mit der Rose im Wappen war 2007 bei den Parlamentswahlen gnadenlos abgestürzt, nachdem ihre Ikone Segolene Royal die Präsidentenwahl gegen den Konservativen Nicolas Sarkozy verloren hatte.

Nun ist sie wieder da und will Parteichefin werden.
Delikaterweise möchte sie in diesem Amt ihren
Ex-Lebensgefährten und Vater ihrer vier Kinder, Francois Hollande, ablösen.
Das langjährige Traumpaar der französischen Politik hatte sich am Morgen nach der verlorenen Präsidentenwahl getrennt, bei der sie angetreten war, obwohl er sich für den besseren Kandidaten gehalten hatte.

Nun wirbt also der alte Parteichef nach 11 Jahren an der Parteispitze “für eine glaubwürdige Alternative in Europa”, wenn man der Losung an seinem Pult glauben darf.

Der Parteienforscher meint, die Sozialistische Partei könne mittelfristig durchaus wieder erstarken, weil sie doch die große Oppositionspartei sei. Er sieht keine Partei, die ihr diesen Platz streitig machen könnte. Allerdings sagt er den Sozialisten eine stürmische, sehr schwere Periode voraus.

Gleichzeitig zeichnen sich in der linken Szene Frankreichs “deutsche Verhältnisse” ab.
Ein bei den Sozialisten ausgetretener Parlamentarier (Senator Jean-Luc Mélenchon), der natürlich nicht mehr zur Sozialisten Party erschien und deshalb hier auch nicht zu sehen ist – der Herr im Bild ist der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoe, der auch an die Parteispitze drängt –
ein Dissident der Sozialisten also will eine neue “Parti de Gauche” gründen.
Übersetzt heißt das “Linkspartei”.
Und als Pate ist zum Gründungsparteitag im kommenden Februar Oskar Lafontaine eingeladen.

Bei den Sozialisten gibt es vor deren Parteitag am Sonntag vor allem Postengerangel statt Programm –
hier Martin Aubry, die einst als Arbeitsministerin die 35-Stunden-Woche eingeführt hatte.

Und da schon weitere unzufriedene Sozialisten
( u.a. der ehemalige Parteichef Henri Emmanuelli)angekündigt haben, ihre Partei zu verlassen, wenn die ihnen zu sozialdemokratisch wird, könnte den Genossen mit der Rose – wie in Deutschland – eine Konkurrenz von links erwachsen.

Zumal auch ein erfolgreicher Trotzkistenführer (Olivier Besancenot) eine “Neue Antikapitalistische Partei” gründen will.
Was – wenn die sich sich mit zweistelligen Wahlergebnissen, die ihr zugetraut werden, ebenfalls zur parlamentarische Opposition aufschwingt?
Sind die unter Mitterrand fast anderthalb Jahrzehnte regierenden Sozialisten dann nur noch Zuschauern der aktuellen Entwicklung ?