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Britische Regierung will Zwangs-Prostitution unter Strafe stellen

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Britische Regierung will Zwangs-Prostitution unter Strafe stellen

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Erzwungene Prostitution soll in Grossbritannien künftig mit Vergewaltigung gleichgesetzt werden. Das heisst, dass sich Kunden strafbar machen, wenn sie nicht sicherstellen, dass die Frau freiwillig als Prostitutierte arbeitet.

Die britische Regierung will das Gesetz zur Prostitution in diesem Sinn abändern. In Schottland riskiert jeder Freier bereits jetzt eine hohe Geldstrafe.

Innenministerin Jacqui Smith: “Wenn eine Frau ausgenutzt wurde, wenn sie verschleppt wurde, dann soll bezahlter Sex mit ihr als Straftat gelten. Dann denken manche Männer vielleicht zweimal darüber nach, was sie da tun. Das gibt dann eine geringere Nachfrage. Und ein geringeres “Angebot” an ausgebeuteten und verschleppten Frauen.”

Mehr als zwei Drittel der 80.000 britischen Prostitutierten seien Opfer von Ausbeutung oder Menschenhandel.

Von Experten kommt Widerspruch: “Dieses Gesetz macht keine Frau sicherer und bietet keinen Schutz vor Gewalt und Ausbeutung,” kritisiert die Prostituierten-Sprecherin Niki Adams. “Im Gegenteil: Die Arbeit wird gefährlicher, weil die Sex-Industrie in die Illegalität abgedrängt wird. Der Kontakt mit Kunden wird schwieriger, die weniger gefährlichen bleiben ganz weg. Das heisst: mehr Risiko. Weniger statt mehr Frauen werden Vergewaltigungen und andere Brutalitäten anzeigen.”

Die Ministerin hatte auf die gegensätzlichen Modelle Niederlande – mit sehr freizügiger Gesetzgebung und Schweden verwiesen. Hier ist Prostitution seit 1999 verboten, weil sie mit der Würde der Frau nicht vereinbar sei. Strafbar macht sich bei einem Verstoss der Kunde, nicht die Frau. Seither ist der Straßenstrich fast völlig verschwunden, das nach wie vor grosse, per Handy und Internet vermittelte Angebot
entzieht sich der Kontrolle von Polizei und Justiz.

Nach Zahlen der Roland Berger Stiftung werden jedes Jahr weltweit zwei bis vier Millionen Frauen und Kinder in die Prostitution verkauft. In Westeuropa landen so jährlich rund eine halbe Million Frauen aus aller Welt. Zum Vergleich: Während 350 Jahren Sklaverei wurden etwa zwölf Millionen Afrikaner nach Amerika verschleppt. Der kriminelle Jahresgewinn: geschätzt rund 40 Milliarden Euro.