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Was war die RAF?

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Was war die RAF?

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Sie begannen als Kaufhausbrandstifter – und endeten als die erste Generation von Terroristen in der noch keine 25 Jahre alten Bundesrepublik Deutschland. Außer Andreas Baader waren sie alle Kinder aus gutem Hause, Studenten zumeist. Ihre Revolte hatte Ende der 60er Jahre mit der Frage an die Eltern begonnen: Was habt ihr im Dritten Reich gemacht?

Die rebellierenden Studenten stellten bestimmte Organisationsformen des bürgerlichen Staates infrage – die radikalsten unter ihnen diesen Staat insgesamt. Sie nannten sich “Rote Armee Fraktion” und machte den roten Stern mit der Kalaschnikow zu ihrem Zeichen. Im Namen des “Weltproletariats” führten sie Krieg gegen die Repräsentanten des “Schweinestaates”, wie es in ihren Bekennerschreiben hieß.

Sie ermordeten 1977 Generalbundesanwalt Siegfried Budack, den Chef der Dresdner Bank, Jürgen Ponto, Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer – und immer gleich noch deren Fahrer und Begleitpersonal mit. 34 Morde gehen auf das Konto der RAF. Wobei die Schleyer-Entführung im Herbst 1977 eine besondere Rolle spielte. Damit versuchte die 2. Generation die inzwischen im Gefängnis sitzenden Gründer der RAF freizupressen.

Als das nicht lief wie geplant, entführte ein Palästinenser-Kommando ein deutsches Flugzeug. Die radikaleren Gruppen der Palästinenser waren zu jener Zeit Verbündete der deutschen Großstadt-Guerilla. Auch die Flugzeugentführung mißlang – am Tag darauf fand man Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe und Andreas Baader tot in ihren Zellen. Ulrike Meinhof hatte sich schon Monate zuvor in ihrer Zelle erhängt. Die Beerdigung der drei wurde vom größten Polizeieinsatz begleitet, den ein deutscher Friedhof je gesehen hat.

Die RAF-Fanatiker hatten das Gewaltmonopol des Staates brechen wollen – und der Staat ließ sich nicht erpressen. Dieser Konflikt kostete Hans-Martin Schleyer das Leben Am Morgen nach der Radiomeldung vom Selbstmord der RAF-Häftlinge wurde der Präsident des deeutschen Arbeitgeberverbandes von seinen Entführern erschossen. So sah es damals auf allen bundes-deutschen Postämtern und in Bahnhofshallen aus – überall Steckbriefe der zweiten RAF-Generation an den Wänden Festgenommen wurden schließlich Brigitte Mohnhaupt, Christian Klar auch Birgit Hogefeld. Wenn Klar im Januar entlassen wird, bleibt Hogefeld die letzte RAF-Gefangene.

Die Mörder der dritten Generation wurden nie gefaßt. Auf ihr Konto sollen die Morde am Chef der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen 1989, und am Treuhandchef Detlev Carsten Rohwedder 1991, gehen. 1998 erklärte die RAF mit diesem simplen Fax ihre Selbstauflösung.

Deutschland ist mit diesem Teil seiner Vergangenheit noch längst nicht fertig. Eben erregte ein Spielfilm dazu die Gemüter. ….und die Angehörigen der Opfer warten immer noch vergeblich auf ein Wort der Reue von den Tätern.