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Patriarch Alexei II - er lebte und machte Geschichte

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Patriarch Alexei II - er lebte und machte Geschichte

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Alexei II wurde geboren als Alexei Rüdiger am 23. Februar 1929 in Tallin – Estland war damals unabhängig, die Familie deutschstämmig und seit dem 18. Jahrhundert orthodoxen Glaubens, der Vater auch schon Priester. Wie durch ein Wunder überlebt die Familie die Zeit der deutschen Besetzung und die stalinistischen Razzien des Jahres 1944.

Mit 32 heiratet Alexei, geht aber schon ein Jahr später ins Kloster – angenehm sind die Zeiten auch nicht, Nikita Chruschtschow mochte die Religion nicht. Mit den Mächtigen legt sich Alexei nicht an, er versucht, mit ihnen auszukommen. Was seiner Kirchen-Karriere offenbar nicht schadet: Im Juni 1990 ist er ganz oben angekommen und wird Patriarch – kurz vor dem Untergang der Sowjetunion.

Eine gute Gelegenheit, der orthodoxen Kirche in Russland wieder zum früheren Einfluss zu verhelfen – und ganz nebenbei auch zu den früheren Besitztümern. Sie waren von den Bolschewiken konfisziert worden. Mit Präsident Boris Jelzin versteht er sich ausgezeichnet – das hilft beim Wiederaufbau der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau. Sie erinnerte an die Niederlage Napoleons 1812, Stalin liess sie 1931 in die Luft jagen.

Und nun steht sie wieder im Zentrum in altem Glanz, seit dem Jahr 2000. Ein später Triumph der Kirche über 70 Jahre Kommunismus. Gleichzeitig arbeitet Alexei II an seinem persönlichen Wiedervereinigungsprojekt zwischen der orthodoxen Kirche in Russland und im Ausland – nach der Oktober-Revolution war ein Teil des Klerus geflohen, der andere Teil blieb.

Eine Baustelle bleibt Alexeis Nachfolger: Das Verhältnis zur katholischen Kirche war schlecht und ist schlecht geblieben. Den polnischen Papst Johannes Paul II wollte Alexei nie treffen, obwohl der gerne einen Christen-Gipfel gehabt hätte.

Den Vorwurf der Missions-Absicht sah er durch die Papst-Reise in die Ukraine vor 7 Jahren bestätigt – hier hatten Katholiken, einst von Stalin verbannt, Anfang der 90er Jahre den Orthodoxen rund 2 500 Pfarreien abgenommen. Erst mit Benedikt XVI wurde der Kontakt ab 2005 etwas entspannter. Im Jahr 2007 ging Alexei sogar bei der Konkurrenz beten – in der Kirche Notre Dame in Paris.