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Wer demonstriert in Griechenland wogegen?

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Wer demonstriert in Griechenland wogegen?

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Auch der griechische Regierungschef Kostas
Karamanlis zeigt sich ratlos im Angesicht von soviel Gewalt. Seine Regierung läuft Gefahr, nach einer Reihe von Finanzskandalen jetzt unter dem Eindruck der kriegsähnlichen Bilder zusammenzubrechen. Umfragen zeigen, dass die regierenden Konservativen nur 15 Monate nach dem Wahlsieg vom September 2007 gegenwärtig fast sechs Prozentpunkte hinter den oppositionellen Sozialisten liegen. Beobachter rechneten mit einer umfangreichen Regierungsumbildung in den kommenden Tagen.

Vor gut einem Jahr gingen die Studenten gegen eine Reform auf die Straße, mit der das traditionlle Monopol der staatlichen Universitäten aufgehoben werden sollte. Das bedeutet bisher, daß in Griechenland nur deren Diplome anerkannt werden – weder solche von privaten Bildungseinrichtungen im In-oder Ausland und auch nicht Diplome ausländischer Universitäten. Als Griechenland die eigene Hochschulpolitik EU-Regeln anpassen wollte, reagierten Studenten mit Äußerungen wie die von einem Studenten in Athen: “Wenn neben den staatlichen auch private Diplome gelten, dann werden damit Barrieren aufgerichtet. Die Reichen können dafür zahlen, Studenten ohne Geld werden kämpfen müssen für ihren Abschluß.”

Die ältere Generation geht gegen die Rentenreform auf die Straße. Vor gut zehn Jahren konnten Staatsbedienstete in Griechenland noch mit Mitte 50 in den Ruhestand, noch heute liegt das durchschnittliche Renteneintrittsalter unter 60. Wenn das so bleibt, wird spätestens in 15 Jahren das gesamte Rentensystem zusammenbrechen.

Die vorgeschlagenen Reformen seien für alle Generationen schlecht, meint der Gewerkschaftsvertreter Costas Papas. Besonders Frauen hätten einen unangemessen hohen Preis zu zahlen. Deshalb dürfe das Gesetz nicht verabschiedet werden. Einen anderen Vorschlag, wie das Rentensystem zu retten sei, hat er auch nicht.

So geht die Unzufriedenheit quer durch alle Bevölkerungschichten. Genährt wird sie nicht nur durch das vergeblichen Warten auf Verbesserungen. Korruptionsaffären, in die Minister verwickelt sind, schütten zusätzlich Wasser auf die Mühlen der regelmäßig Brandanschläge verübenden Autonomen. Deren Bewegung hat ihre Ursprünge in der Zeit des Widerstandes gegen die Militärdiktatur zwischen 1967-1974. Die Autonomen beherrschen praktisch einen ganzen Stadtteil von Athen, und die Behörden scheinen sich damit abgefunden zu haben.