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Piraten als Schadensfaktor des Welthandels

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Piraten als Schadensfaktor des Welthandels

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Als hätte der Welthandel mitten in der Krise nicht schon genug Probleme! Nun machen also auch noch Piraten eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten unsicher. Mehr als 90 Schiffe verschiedener Größe wurden vor der somalischen Küste seit Jahresbeginn gekapert. Dann folgt immer das gleiche Szenario: Die Schiffseigener zahlen – und die Piraten können sich noch mehr Schnellboote und moderne Waffen kaufen

Der Welthandel wird zu 90 Prozent über die Meere abgewickelt. Bis zu 30 Millionen Dollar haben die Piraten schon an Lösegeldern kassiert. Ungefährt die Hälfte aller Handelsschiffe passiert den Suez-Kanal und muß dabei an der somalischen Piratenküste vorbei. 20.000 bis 30.000 Frachter pro Jahr. Die Versicherungsprämien sind wegen der Überfälle in einem Jahr um das Zehnfache gestiegen. Die verdoppelte Heuer für die Besatzungen ist dabei noch der kleinste Kostenfaktor. Der niederländische Kapitän Anton van Koldam verweist auf die hohe psychologische Belastung . In seinen 22 Dienstjahren habe es immer mal Piraten gegeben – aber jetzt habe man es mit sehr viel mehr Gewalt, mit mehr Waffen und mehr Kaper-Fällen zu tun, so daß seine Reederei in dieser Gegend Geleitschutz der Marine anfordert. Das Piratenunwesen trifft vor allem Ägypten, das auf die Einnahmen für die Passage der Schiffe durch den Suez-Kanal angewiesen ist. Während die Staatengemeinschaft de-facto das Völkerrecht neu interpretiert, um Piraten auch in somalischen Hoheitsgewässern und an Land verfolgen und festnehmen zu können, listet der ägyptische Ökonom Hamdi Abdel Azin die innenpolitischen Folgen für sein Land auf: Er befürchtet mehr Druck auf die Regierung, weil das Volk gerade jetzt bessere Lebendsbedingungen verlangt, bessere medizinische Versorgung zum Beispiel. Weniger Einnahmen aus dem Suez-Kanal, das könnte zu innenpolitischen Problemen in Ägypten führen. Die Durchfahrt durch den Suez-Kanal kostet für einen Frachter um die 160.000 euro. Für die längere Reise um Südafrika herum berechnet der Reeder für einen Frachter ca. 20.000 euro pro Tag .