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China - Opfer des eigenen Exporterfolges

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China - Opfer des eigenen Exporterfolges

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China ist ebenso riesig wie unübersichtlich. Da sind alle Zahlen bestenfalls als Richtwerte anzusehen. Wenn von 150 Millionen Wanderarbeitern die Rede ist, können es auch gut ein paar Millionen mehr oder weniger sein. Also konzenriert man sich am besten auf die Tendenz der Entwicklung – und die sagt eindeutig: Hier hat vor 30 Jahren ein entschlossener Pragmatiker das Land aus dem Chaos der Kulturrevolution heraus und zur Wirtschaftsentwicklung hin geführt – verbunden mit gewaltigen sozialen Unterschieden.

Wenn von 9,8% jährlichem Wachstum seit 1978 die Rede ist, dann ist das natürlich ein Durchschnittswert. Die Schwankungen vermag überhaupt kein Weltwirtschaftgremium zu messen. Nach einem Rekord-hoch 2007 wird nun ein Wachstumsrückgang erwartet. Wobei Peking selber 8 % Wachstum als Grenzwert angibt, unter dem keine neue Arbeitsplätze geschaffen werden können. Schlimmer noch – erstmals seit 30 Jahren drohen Massenentlassungen. Schon sitzen die Tagelöhner, die jede Arbeit annehmen, an den Straßen der Boom-Städte. Der “Sozialismus chinesischer Charakteristik” hat aber keine ausreichende soziale Absicherung hervorgebracht für jene, die in guten Zeiten die gewaltigen Zuwachsraten erarbeiteten. Diese Menschen sind nun doppelt entwurzelt. Zurück in ihre Dörfer führt kaum ein Weg – und in den Städten einen neuen Job zu finden wird immer schwieriger, wie dieser Bauarbeiter in einer der Sonderwirtschaftszonen klagt. Sein Kollege mischt sich gleich ein ins Gespräch und bekräftigt:“Wir haben alle damit zu kämpfen.” China ist zum Opfer des eigenen Erfolges geworden. Die Wirtschaft ist in einem so hohen Maße vom Export abhängig, daß die weltweite Krise mit voller Wucht zuschlägt. Die Neu-Reichen, die ausgesorgt haben, stellen eine verschwindend kleine Minderheit dar in diesem Land, von dem man nicht einmal genau weiß, wieviele Menschen dort leben. Man weiß nur, daß es für die Mehrheit sehr schlimm kommen wird, wenn das Wachstum sich bis auf für 5 % abschwächen könnte – was Experten durchaus für möglich halten. So schnell kann das angekündigte Rettungspaket von umgerechnet 455 Milliarden euro der Wirtschaft gar nicht aus dem Krise helfen…