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Wo unser Gas herkommt...

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Die Gasflamme brennt ohne Pause in den Fördergebieten – für die vom Erdgas abhängigen Volkswirtschaften aber heißt das Problem: Versorgungssicherheit. In ihrer Freude am günstigen Gas haben die west-europäischen Kunden bei Vertragsabschluß kaum an politische Probleme in den Transit-Ländern gedacht.

Der Konzern Gasprom kontrolliert aktuell 94 Prozent der russischen Erdgasförderung. 80 Prozent davon werden nach Westeuropa geliefert – in Pipelines, die durch die Ukraine verlaufen. Die Europäische Union importiert 43 Prozent ihres Gasverbrauchs aus Russland. 60 Prozent sollen es bis 2030 werden. Mit einem so großen Hauptabnehmer entsteht eine wechselseitige Abhängigkeit. Man kann auch von einer drei-seitigen Abhängigkeit sprechen – denn ohne das Transitland Ukraine läuft gegenwärtig gar nichts. Folglich ist man in Westeuropa sehr hellhörig, wenn Moskau und Kiew streiten. Darum gewinnt auch das Projekt “North Stream” an Bedeutung, vereinbart 2005. Aus einem neuen Feld in der Barentssee soll ab 2010 Gas nach Deutschland strömen – zum Teil durch die neu zu errichtende Ostsepipeline. Russland liefert 32 Prozent des in Deutschland benötigten Erdgases. Dann ist auch noch “South Stream” in Arbeit. Ein Gemeinschaftsprojket von Gasprom mit dem italienischen Konzern ENI. Diese Pipeline soll 900 km von Süd-Russland durch das Schwarze Meer nach Bulgarien verlaufen und dann mit einem Strang durch Rumänien und Ungarn nach Italien, mit dem anderen durch Albanien und die Adria. South Stream soll 2013 fertig sein. Noch weiter südlich planen die Europäer mit an der Pipeline NABUCCO. Ein Konsortium von sechs kapitalkräftigen Firmen hat sich zusammengetan, um Erdgas aus Aserbaidschan, aus Nord-Irak und später auch noch aus Mittelasien nach Europa zu liefern. Mit NABUCCO würden die westeuropäischen Verbraucher von Russland unabhängig werden. Vier-einhalb Milliarden euro sind zunächst einmal für dieses gigantische Projekt veranschlagt. Auch amerikanisches Kapital.