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Schuldige im chinesischen Milchskandal gefunden und vor Gericht

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Schuldige im chinesischen Milchskandal gefunden und vor Gericht

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In China beginnt ein erster Prozess zum Melaminskandal. Drei Angeklagte müssen sich vor einem Gericht in Shijiazhuang in Nordchina verantworten – zwei werden beschuldigt, innerhalb gut eines Jahres 600 Tonnen der giftigen Substanz hergestellt zu haben, einer soll sie in Milch gemischt haben. An verseuchten Milchprodukten sind nach offiziellen Angaben bisher sechs Kinder gestorben, fast 300 000 sind krank, meist haben sie Nierensteine.

Der monatelang vertuschte Skandal war im September aufgeflogen. Bei rund zwei Dutzend Herstellern wurden verseuchte Produkte festgestellt. Melamin ist eine chemische Stickstoffverbindung, die vor allem zur Produktion von Kunstharz verwendet wird. In Milch täuscht sie einen höheren Proteingehalt vor. Einer der Angeklagten: “Die Milch enthielt nicht genug Protein. Also haben wir uns erkundigt und bekamen den Tip mit Melamin.” Der chinesische Milchkonzern Sanlu hatte die gepanschten Milchprodukte in den Handel gebracht und ist nun pleite. Sanlu sei nach dem Melamin-Skandal mit rund 130 Millionen Euro verschuldet gewesen, so der neuseeländische Milchproduzent Fonterra – zu 43 Prozent Miteigentümer. Die Qualitätskontrollen bei Sanlu hatten bei den Behörden einen so guten Ruf, dass sie aus Qualitätskontrollen verzichteten – anscheinend kein Einzelfall. Auch der Zusatz von Melamin war in der chinesischen Milchindustrie offenbar weit verbreitet. Die Chemikalie half auch, Viehfutter künstlich “aufzubessern”, so dass der Stoff in die Nahrungskette gelangte und selbst in Eiern und Eiprodukten entdeckt wurde. Zahlreiche Länder hatten im Herbst Milchprodukte aus chinesischer Herstellung aus dem Handel genommen.