Eilmeldung

Sie lesen gerade:

Bangladesch hofft auf Neuanfang durch Parlamentswahl


welt

Bangladesch hofft auf Neuanfang durch Parlamentswahl

Bangladesch wählt am kommenden Montag ein neues Parlament – mit knapp zwei Jahren Verspätung. Wegen schwerer Unruhen waren Anfang 2007 der Ausnahmezustand verhängt und die Wahl verschoben worden. Die Klans der beiden Spitzenkandidatinnen haben Erfahrung mit politisch motivierter Gewalt. Sie haben sich seit 1991 als Regierungschefs abgewechselt und verabscheuen sich von Herzen.

Khaleda Zia ist die Witwe von Ziaur Rahman. Er gründete die rechtsgerichtete Bengalische Nationalpartei BNP und wurde 1981 von Militärs umgebracht. Sie regierte bereits 1991 und zehn Jahre später noch einmal für fünf Jahre. Auch mit der grassierenden Korruption hat ihre Familie Erfahrung – Bangladesch landet regelmässig unter den korruptesten 10 Prozent auf der Länderliste von Transparency International. Zias Sohn zählt zu den fast 100 000 Menschen, die in diesem Jahr wegen Korruptionsverdachts verhaftet wurden. Auch Gegenkandidatin Sheikha Hasina Wajed stammt aus einer Familie, in der Militärs vor Jahren ein Blutbad anrichteten – ihr Vater Mujib und mehrere Familienmitglieder starben 1975 bei einem Militärputsch. Ihrer linksgerichteten Awami-Liga werden etwas grössere Chancen eingeräumt. Auch die neue Regierung steht vor riesigen Problemen: Korruption, überbevölkerung, bittere Armut und Klimakatastrophen. Jeder zweite Bangladescher lebt in bitterer Armut und hat weniger als einen Dollar am Tag zur Verfügung. Bangladesch ist der am dichtesten besiedelte Flächenstaat der Welt – rund 160 Millionen Menschen leben auf eine Fläche, die nur etwa doppelt so groß ist wie Bayern. Der Klimawandel bedroht das tief gelegene Land, das immer wieder von schweren Naturkatastrophen heimgesucht wird. Der Anstieg des Meeresspiegels bedroht 15 Millionen Bewohner im Ganges-Delta. überschwemmungen, Wirbelstürme und Hungersnöte sind seit der Unabhängigkeit vor 37 Jahren auf der Tagesordnung. Asif Nazrul, Rechts-Professor an der Universität von Dhaka: “Ein Wahlgang kann das Schicksal des Landes nicht wenden. Aber genau besehen steigt in Bangladesch die Wertschätzung der Menschenrechte, einer guten Regierung. Immer mehr Bürger ächten Korruption und Extremismus.” Rund 2 500 Wahlbeobachter aus dem Ausland können Hoffnungszeichen registrieren: Die von der Armee gestützte Übergangsregierung hat die Abstimmung minutiös vorbereitet, unter anderem durch ein neues Wählerverzeichnis. Die beiden umstrittenen Spitzenpolitikerinnen dürfen antreten, zahlreiche Korruptionsverdächtige aus der zweiten Reihe nicht. Und: Bangladeschs Wirtschaft ist auf Expansionskurs. 2005 wurden stattliche 6,2 % Wirtschaftswachstum erreicht.

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

Nächster Artikel

welt

Israel öffnet Gazastreifen für Hilfsgüter