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Solidaritätswelle mit irakischem Schuhwerfer

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Solidaritätswelle mit irakischem Schuhwerfer

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Nein, das ist keine UNO-Initiative zur unblutigen Kriegsfuehrung. Aber als Idee vielleicht ausbaufähig ? In Teheran haben iranische Gläubige vor dem Freitagsgebet Bush-Karikaturen mit Schuhen beworfen. Sie drückten damit ihren Protest gegen den Irak-Krieg aus, aber auch Solidatität mit mit Montasser al-Saidi. Der Fernsehreporter hatte vor knapp zwei Wochen in Bagdad den echten US-Präsidenten während einer Pressekonferenz mit seinen Tretern beworfen.( – Modell 271 des türkischen Herstellers Ramazan Baydan, wie man inzwischen weiss. Der hat das etwas klobige Modell – braun, rindsledern, geschnürt, Sohle dick – inzwischen umbenannt in “Bush-Schuh”. Die zehnfache Jahresproduktion steht in den Auftragsbüchern.)

SOT ein Mitglied der iranischen Revolutionsgarden zur aktuellen Agit-Pop-Aktion in Teheran: “Der Schuhwerfer hat es diesem Verräter Bush gegeben. Bush hat dem irakischen Volk eine Menge Grausamkeiten angetan und anderen Ländern auch.” Der Prozess gegen den Schuhwerfer soll am 31. Dezember beginnen – das verlautete aus Gerichtskreisen. Ihm droht eine Haftstrafe von fünf bis 15 Jahren. (Der 28-jährige Journalist hatte seine Tat so begründet: Er habe mehrfach ansehen müssen, wie US-Soldaten Iraker erschossen.) Seine Protestaktion löste eine massive Solidarisierungswelle aus – selbst der Beworfene plädiert für Milde. Beim türkischen Produzenten steht inzwischen die 10-fache Jahresproduktion in den Auftragsbüchern.

Schuhwerfer von Bagdad macht türkische Schuhfabrik glücklich. Die Schuh-Attacke eines irakischen Journalisten auf US-Präsident George W. Bush in Bagdad hat einer türkischen Fabrik einen unerwarteten Auftragsboom beschert. Es seien Bestellungen über insgesamt 300’000 Paar des bisher als Modell 271 gelisteten Schuhs eingegangen, sagte Fabrikbesitzer Ramazan Baydan am Freitag in Istanbul. “Sogar aus Amerika ist jemand gekommen, um sich Vertriebsrechte zu sichern.” Der Unternehmer will das Modell, einen braunen Schnürschuh aus Rindsleder mit dicker Sohle, jetzt in “Bush-Schuh” umbenennen. In diesem Jahr wurden bereits 30’000 Paar gefertigt. In der Türkei kostet das Modell umgerechnet etwa 45 Franken. Der Fernsehjournalist Montasser al-Saidi hatte eines davon am Sonntag bei einer Pressekonferenz nach Bush geworfen. Dieser war geschickt ausgewichen. Rund 30 Familienmitglieder forderten am Freitag in Bagdad die sofortige Freilassung des Journalisten. “Er hat nichts Böses getan. Im Gegenteil: Er hat allen einen Gefallen getan”, sagte eine seiner Schwestern, Um Saad. Bush selber hatte sich gegen eine harte Bestrafung des Angreifers ausgesprochen. Derweil erfinden die Menschen im Irak immer neue Schuhwerfer- Witze, die per SMS verbreitet werden. Einer der beliebtesten lautet: “Bush hat beschlossen, seine Pressekonferenzen jetzt nur noch in der Moschee zu geben, weil da die Schuhe vor der Tür ausgezogen werden müssen.”