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Ignalina wird vom Netz genommen

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Ignalina wird vom Netz genommen

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Die Tage des litauischen Kernkraftwerks sind gezählt. Bis zum Januar 2010 soll der sowjetische Reaktor Ignalina stillgelegt werden. Dazu hat sich die litauische Regierung verpflichtet, um der Europäischen Union beitreten zu können. Allerdings versuchte die Regierung in Vilnius wiederholt, die Stilllegung zu verschieben, möglichst bis zum Juni 2012.

Der litauische Ministerpräsident begründet dies mit möglichen Stromengpässen. Denn dieser letzte Reaktor vom Typ Tschernobyl in der EU versorgt 70 Prozent von Litauen mit Energie. Andrius Kubilius sagte, man sei nicht sicher, ob die Stromversorgung in der Region ausreiche und es gebe keine einfachen Lösungen im Falle von Energieengpässen. Was Litauen vermeiden will, ist eine größere Abhängigkeit von Energielieferungen aus Russland. Vor mehr als zwei Jahren hatte die Regierung in Moskau dem Land bereits den Ölhahn zugedreht. Zur Zeit gibt es eine neue russische Gaskrise mit der Ukraine. Die Alternative ist, Litauen an die europäischen Stromnetze anzuschließen – doch das braucht Zeit. “Die Verbindungsstücke werden technisch nicht rechtzeitig einsatzbereit sein, bis das Kernkraftwerk Ignalina vom Netz genommen wird,” erklärt ein Sprecher des nationalen Stromversorgers, Darius Montvila. Es werde eine Lücke geben, wenn Ignalina stillgelegt wird, ohne dass die neuen Elemente fertig gestellt seien. Die baltische Region soll durch zwei Projekte mit dem westlichen Energienetz verbunden werden: Über Schweden und Polen. Allerdings verlieren Litauen und Lettland kostbare Zeit durch Rivalitäten, welches Land das Projekt leiten soll. Die Europäische Kommission will das Vorhaben mit einer großen Summe unterstützen, zumal sie auf dem Zeitplan der Stilllegung von Ignalina beharrt. Ein Sprecher der EU-Kommission, Ferran Tarradellas-Espuny, sagte, man sei bereit, noch mehr Geld in das Projekt zu stecken. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass Litauen bereits eine große Summe erhalten habe – es handele sich um 500 Millionen Euro seit 2007. Weitere 800 Millionen Euro stünden im Ignalina-Stilllegungs-Fonds bereit. Darüber hinaus habe die baltische Energieverbindung Priorität bei den Infrastrukturprojekten. Die Kommission helfe Litauen mit allen Mitteln, sie könne jedoch nicht gegen den Beitrittsvertrag handeln. In der Wirtschaftskrise ist ein großer Teil des euroäischen Rettungspakets dem Aufbau der Energie-Netze gewidmet – vor allem in den baltischen Staaten, die als frühere Sowjetrepubliken besonders besorgt über die Energieversorgung wachen.