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Debatte über Energiesicherheit in Europa

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Debatte über Energiesicherheit in Europa

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Muss der russisch-ukrainische Gasstreit erneut in europäischen Haushalten ausgetragen werden? Die Europäische Union will Abhilfe schaffen. Europa bezieht 40 Prozent seines Gases aus Russland. Nach dem zweiten Lieferstopp seit 2006 mehren sich die Debatten über Alternativen. Besonders in jenen EU-Staaten, die separate Abkommen mit Moskau abgeschlossen haben, ohne sich auf eine gemeinsame Energiepolitik abzustimmen.

Der konservative EU-Parlamentarier Jacek Saryusz-Wolski aus Polen hat einen Meinungsumschwung festgestellt: “Immer mehr Länder ändern mittlerweile ihre Meinung, selbst die, die bilaterale statt multilaterale Abkommen auf Ebene der Europäischen Union abgeschlossen haben. Wie Österreich oder Bulgarien, die trotz eines bilateralen Abkommens vom Gas abgeschnitten sind.” Es gibt mehrere Projekte, Gas in neuen Pipelinenetzen um die Ukraine herum zu leiten. Bis sie realisiert sind, gehen jedoch noch einige kalte Winter ins Land. Neben den bereits existierenden Pipelines sollen die Northstream-Netze russisches Gas unter der Ostsee nach Deutschland befördern. Dass der Startschuss wie geplant 2011 erfolgt, wird jedoch bezweifelt. Auch beim Projekt Southstream werden Verzögerungen erwartet: Es soll russisches Gas unter dem Schwarzen Meer hindurch nach Osteuropa liefern. Beim europäischen Projekt Nabucco ist Gazprom nicht mit von der Partie. Gas aus Aserbaidschan oder Kasachstan soll ab 2013 um Russland herum nach Europa gelangen, auch hier ist der pünktliche Start unwahrscheinlich. Da die EU ihre Abhängigkeit von Russland reduzieren will, stellt sich erneut die Frage nach Alternativen zu Gas als Energiequelle, erklärt der deutsche EU-Parlamentarier Alexander Graf Lambsdorff von den Liberalen: “Es gibt zum Beispiel Flüssiggas, das per Schiff transportiert werden kann. Man muss auch über Atomenergie, erneuerbare Energien und andere alternative Energiequellen nachdenken. Es gibt einiges zu tun. Es ist klar, dass man die Energiequellen diversifizieren muss, vor allem jene Länder, die besonders abhängig sind von russischem Gas.” Atomenergie teilt die EU in zwei Lager. Mehrere EU-Staaten wie Österreich, Deutschland und Irland nutzen keine Nuklearenergie oder haben den Atomausstieg beschlossen. Auf der anderen Seite gibt es den Atomproduzenten Frankreich. Fest steht: Die Zeit drängt. Jacek Saryusz-Wolski sagte, “diese katastrophale Situation ist trotzdem zu etwas gut. Es ist bereits die zweite Warnung, und ich hoffe, als Ergebnis kommt eine gemeinsame Politik für Energiesicherheit heraus.”