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Wer friert ohne Gasprom-Gas?

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Wer friert ohne Gasprom-Gas?

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Aus welchen Gründen auch immer kein Gas mehr ankommt – betroffen sind insgesamt 18 europäische Länder. Und die wenigsten davon haben wie Deutschland Vorräte gespeichert, die bis ans Winterende reichen.

Schlimm dran ist zum Beispiel die Slowakei, deren gesamte Energieversorgung vom russischen Gas abhängt. In der Steuerzentrale können die Techniker im Moment nur den Mangel verwalten – für ganze 10 Tage reichen die Reserven. Die Regierung in Bratislava hat den Energienotstand ausgerufen und Abschaltungen in der Wirtschaft angeordnet. Es wurde auch schon in Betracht gezogen, einen einst von der Sowjetunion gebauten Atomreaktor wieder anzufahren – wogegen sofort die EU-Kommission Einspruch erhob, unter Androhung der in Verträgen vorgesehenen Sanktionen. Jasloske Buhonice war gerade erst zum Ende 2008 abgeschaltet worden – gemäß den Bedingungen für den EU-Beitritt der Slowakei. Das kleine Bosnien befindet sich in der gleichen frostigen Notlage . Es hat überhaupt keine Vorräte, der Lieferstopp ließ das Land auf der Stelle erkalten. Wer kann, steigt wieder um auf Holz- oder Kohleheizung . Diverse Fabriken mußten schon schließen. In der Not helfen begrenzte Lieferungen aus Deutschland und Ungarn. Für Bulgarien machen die Lieferungen von Gasprom 96 Prozent des gesamten Jahresbedarfs an Erdgas aus. Die Bulgaren versuchen es mit Umstellung ihrer Heizkraftwerke von Gas auf Öl. Bei jenem von Iztok brauchen sie dazu mindestens vier Tage. Auch hier liebäugelt man in der Not mit der Möglichkeit, ein stillgelegtes Kernkraftwerk wieder hochzufahren. Das würde aber 30 Tage dauern – und die gleichen EU-Proteste provozieren wie im Falle Slowakei. Serbien importiert 87 Prozent seines Gasbedarfs aus Russland. Seit dem 6. Januar kommt nichts mehr, in tausenden Wohnungen ist “Väterchen Frost” zu Besuch. Einen Ausgleich können die Notlieferungen per LKW aus Deutschland und Ungarn nicht schaffen. Darum müssen auch in Serbien Produktionsanlagen wie diese moderne pharmazeutische Fabrik ihre Belegschaften zwangsweise in Kälteurlaub schicken.