Eilmeldung

Eilmeldung

Kandidaten-Kür der russisch-orthodoxen Kirche

Sie lesen gerade:

Kandidaten-Kür der russisch-orthodoxen Kirche

Schriftgrösse Aa Aa

Bei der Vorauswahl des künftigen Patriarchen hat der Metropolit, gewissermaßen der leitende Bischof, von Smolensk und Kaliningrand gesiegt. Fast die Hälfte der rund 200 Bischöfe stimmte an diesem Sonntag für den 62jährigen Kirill. Er gilt als verleichsweise liberal und ist bereits Statthalter seit dem Tod des Patriarchen Alexi des Zweiten Anfang Dezember. Kirill ist zudem für die internationalen Beziehungen der Kirche zuständig.

Auf Platz zwei landete der Traditionalist Kliment. Er ist Metropolit von Kaluga. Platz drei unter den knapp 150 Kandidaten errang Filaret, der Metropolit von Minsk. Die endgültige Wahl eines der drei Finalisten findet ab Dienstag statt, sie ist ein gesamtgesellschaftliches Ereignis. Die wachsende Popularität der Kirche sei zum einen in der Schwächung aller anderen Ideen und Institutionen begründet, und das Volk brauche etwas, an dem es sich im gegenwärtigen Vakuum festhalten könne, meint der Politikforscher Leonid Radzikhovsky. Zum anderen sei es die Politik des Staates, der Kirche Auftrieb zu geben, um sich auf sie stützen zu können. Patriarch Alexi dem Zweiten war vorgehalten worden, nicht immer kritisch genug gegenüber dem Kreml gewesen zu sein. Von seinem Nachfolger wird abhängen, wie weit die russisch-orthodoxe Kirche sich dem Vatikan annähert.