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Erster Prozess gegen Führungsmitglied der Roten Khmer

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Erster Prozess gegen Führungsmitglied der Roten Khmer

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Dreißig Jahre danach beginnt in Kambodscha die juristische Aufarbeitung der Gräueltaten der Roten Khmer. Von Dienstag an muss sich vor dem von den Vereinten Nationen unterstützten Völkermordtribunal nahe Phnom Penh erstmals ein Führungsmitglied verantworten: der einstige Leiter eines Gefängnisses, in dem tausende Menschen zu Tode gefoltert wurden.

Von 16.000 Insassen überlebte nur eine Handvoll. Landesweit haben die Roten Khmer mehr als eineinhalb Millionen Kambodschaner auf dem Gewissen. Von 1975-79 dauerte ihre Schreckensherrschaft, bis die Vietnamesen das Land besetzten. Einer der Überlebenden des Gefängnis-Insassen erklärt: “Ich möchte den Angeklagten fragen, warum er Menschen verschleppt hat, damit sie gefoltert oder getötet werden, und was ich getan habe, dass er mich hier folterte. Meine Kinder, meine Frau – alle sind umgebracht worden. Waren sie alle von der CIA? Wer hat hinter den Morden gesteckt?” Mit dem Ziel, einen maoistischen Bauernstaat zu errichten, rotteten die Roten Khmer Teile ihres Volkes aus, ihre Taten blieben bis heute ungesühnt. Selbst das Tribunal kann wegen Einschränkungen durch die Regierung nur einige anklagen, Menschenrechtsorganisationen kritisieren politische Einflussnahme und Korruption.