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Thaci: Belgrad hat Unabhänigkeit des Kosovo bereits akzeptiert

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Thaci: Belgrad hat Unabhänigkeit des Kosovo bereits akzeptiert

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Der jüngste Staat der Welt feiert seinen ersten Geburtstag, auch wenn er noch nicht von allen international anerkannt ist. Ein Jahr ist es jetzt her, dass Hashim Thaci der erste Ministerpräsident des unabhängigen Kosovo wurde. Ausländische Friedenstruppen sind immer noch dort. Zehn Jahre nach der Bombardierung durch die NATO bleibt die Lage angespannt – vor allem in Mitrovica im Norden. Im ganzen Land fällt regelmäßig der Strom aus und fast 50 Prozent der Bevölkerung sind arbeitslos. Serbien hat den einseitigen Schritt des Kosovo bisher nicht anerkannt. Im Interview mit euronews zeigt sich Thaci jedoch optimistisch, dass sich das bald ändern wird.

euronews: Das Kosovo wurde von mehreren Ländern anerkannt, aber nicht von allen. Es gibt ein Gebiet im Norden des Landes, dessen Bürger ihre Authorität nicht erkennen. Sie sind noch immer auf ausländische Unterstützung angewiesen – wie blicken sie auf das erste Jahr Unabhängigkeit zurück? Thaci: Das erste Jahr des Kosovo als ein unabhängiger, souveräner und demokratischer Staat war ein historischer Erfolg. Die Entscheidung unabhängig zu werden, hat mehr Frieden und Stabilität, regionale Kooperation und uns näher an Europa gebracht. Unser Staat hat nun Symbole, die alle miteinander verbinden. Wir haben eine multi-ethnische Gesellschaft in einer demokratischen Umgebung geschaffen. euronews: Was wird mit dem Norden des Kosovo passieren, in dem die Kosovo-Serben leben? Sie akzeptieren ihre Regierung nicht und schenken ihnen keine Beachtung. Wie wird der Konflikt beigelegt werden? Thaci: Die Zukunft von Mitrovica ist die Zukunft des Kosovo. Es gibt dort immer noch extremistische Stimmen, aber sie repräsentieren nicht die serbische Bevölkerung. Die Serben sind Teil der Insitutionen. Die EU-Mission ist im ganzen Land im Einsatz. Die Institutionen Pristinas beginnen auch im Norden, sich schrittweise aufzustellen. Es wird keinen Raum für parallele, illegitime und extremistische Strukturen geben. Vor diesem Hintergrund glaube ich, dass wir im Jahre 2009 von weiteren Ländern anerkannt werden, darunter auch von unserem Nachbarn Serbien. Kosovo ist bereit, eine Botschaft in Belgrad zu eröffnen und ich würde gern sehen, dass Belgrad darüber nachdenkt, eine Botschaft in Pristina zu eröffnen, so dass wir schlussendlich das Kapitel des Konflikts zwischen Kosovo und Serbien schließen können und für immer Frieden in unserer Region haben. euronews: Ich nehme an, dass die Regierung in Belgrad momentan eine andere Meinung dazu hat. Wie realistisch ist es, dass es diplomatische Beziehungen zwischen dem Kosovo und Serbien geben wird? Serbien erkennt ja das Kosovo nicht mal als selbständigen Staat an. Thaci: Beidseitige Anerkennung zwischen Kosovo und Serbien als zwei Staaten ist der realistischste Weg. Die Belgrader Führung denkt über eine Anerkennung des Kosovo nach, aber die öffentliche Meinung ist anti-albanisch. Eine Haltung, die der Vergangenheit angehört. Die Regierung in Belgrad ist sich bewusst und hat bereits akzeptiert, dass Kosovo ein unabhängiges, souveränes und demokratisches Land ist. Es bedarf nur noch der politischen Entscheidung der Anerkennung. euronews: Ich kann mir vorstellen, dass ihr Vergleich der heutigen Regierung mit der von Slobodan Milosevic nicht unbedingt für Beliebtheit bei den heutigen Machthabern sorgt. Thaci: Ich vergleiche nicht die derzeitigen Machthaber in Belgrad mit Slobodan Milosevic, aber was das Kosovo betrifft, haben sie eine aggressive Einstellung. Eine Haltung, die die Souveränität meines Landes verletzt. Slobodan Milosevic war verantwortlich für die gleichen Verletzungen. Slobodan Milosevic zettelte den Völkermord an. Die derzeitige Führung in Belgrad zeigt jeden Tag ihre Intention die Souveränität und territoriale Integrität meines Landes zu verletzen. euronews: Wollen sie der EU beitreten? Thaci: Auf jeden Fall. Die Zukunft des Kosovo ist ganz sicher europäischer Natur. Das Land erfüllt demokratische Kriterien in Politik, Gesetzgebung und der Wirtschaft. Im vergangenen Jahr haben wir den Fortschrittsbericht der EU-Kommission erhalten und dieses Jahr werden wir die Machbarkeitsstudie haben. Wir hoffen, dass diese Studie realistisch die gute Arbeit, die wir im Kosovo geleistet haben, beurteilt. Kosovo wird wie all die anderen Länder der Region Teil der NATO und der EU werden. Es ist sicher, dass unsere Zukunft europäisch ist. Letzten Endes sind Kosovo und Serbien nicht die einzigen Länder, die gegeneinander Krieg geführt haben und nun im gleichen Raum sitzen und über gemeinsame Prioritäten sprechen können, um den Weg der globalen Werte zu beschreiten. Es gibt andere Länder in Europa, die nun der europäischen Familie angehören, die sogar schwerere Konflikt untereinander hatten, aber jetzt für gemeinsame Werte zusammenarbeiten. euronews: Wenn wir uns der weltweiten Wirtschaftslage zu wenden, frage ich mich, wie das Kosovo davon beeinflusst wird, denn bereits vor dem Abschwung war die Wirtschaft nicht die Stärkste. Thaci: Ungeachtet der weltweiten Krise im letzten Jahr haben wir ein Wirtschaftswachstum von sechs Prozent verzeichnet. Wir können nicht behaupten, dass die globale Krise keine Auswirkungen auf Kosovo haben wird, besonders im Hinblick auf unsere Diaspora im Ausland, die eine gewaltige Menge ihres Geldes in unser Land investiert. Es könnte auch einen Einfluss auf die internationalen Investoren haben, obwohl der Bankensektor recht stabil ist. euronews: Zum Schluss: Vor zehn Jahren haben sie eine Uniform getragen. Jetzt sitzen sie hier in einem Anzug und sind Ministerpräsident ihrer eigenen Republik. Wo sehen Sie sich in zehn Jahren? Thaci: Ich war Ministerpräsident während der NATO-Luftangriffe, als wir den Krieg gewannen. Ich war und bin Ministerpräsident in der Zeit als Kosovo seine Unabhängigkeit erklärte. Unglaubliche Veränderungen haben sich vollzogen. Es ist nicht einfach für ein Land, innerhalb von zehn Jahren den Krieg zu gewinnen, erfolgreich den Übergang zur Demokratie zu vollziehen, seine Unabhängigkeit zu erklären und Perspektiven für die Integration in die NATO und die EU zu öffnen.