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Erster Prozess gegen Roten Khmer

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Erster Prozess gegen Roten Khmer

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Dreißig Jahre nach dem Terror-Regime der Roten Khmer hat in Kambodscha der erste Prozess gegen einen der Verantwortlichen begonnen: Vor Gericht steht der ehemalige Leiter des berüchtigten Foltergefängnisses S21. Unter seiner Führung wurden dort bis zu 16.000 Menschen gefoltert und ermordet.

Der 66jährige einstige Lehrer hat die Verantwortung dafür übernommen und sich, anders als viele seiner Genossen, reuevoll gezeigt. Er ist wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Folter und geplanten Mordes angeklagt und riskiert eine lebenslange Haftstrafe. Einer der wenigen Überlebenden unter seinen Opfern sagte zu Prozessbeginn: “Er bekommt jetzt seine verdiente Strafe. Aber ich bin nicht sicher, ob die Richter Gerechtigkeit für uns finden werden.” Ein anderer Kambodschaner freut sich: “Ich bin heute sehr glücklich: Dreißig Jahre habe ich auf diesen Prozess gewartet. Ich möchte, dass unser Land denjenigen Gerechtigkeit widerfahren lässt, die unter dem Regime gelitten haben.” Unter der Schreckensherrschaft der Roten Khmer von 1975 bis 1979 kamen insgesamt mehr als eineinhalb Millionen Kambodschaner ums Leben. Vier weitere Führungs-Mitglieder werden demnächst ebenfalls vor dem von den Vereinten Nationen unterstützten Gericht stehen. Die Regierung verhinderte jedoch die Ausweitung auf weitere Täter, weswegen Menschenrechtsorganisationen politische Einflussnahme kritisieren.