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Kritik an Betancourt von anderen ehemaligen FARC-Geiseln

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Kritik an Betancourt von anderen ehemaligen FARC-Geiseln

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Die im vergangenen Juli nach mehr als sechs Jahren Geiselhaft im kolumbianischen Dschungel befreite Ingrid Betancourt ist von früheren Leidensgenossen scharf angegriffen worden. Die drei Amerikaner Marc Gonsalves, Keith Stansell und Tom Howes werfen ihr in einem gemeinsamen Buch “Arroganz” und “Egoismus” vor. Andere ehemalige Geiseln der FARC-Guerilla betonten dagegen ihren Respekt für Betancourt: Sie habe die Guerillas mehrmals beleidigt, als sie mit deren Verhalten nicht einverstanden gewesen sei, sagte Orlando Beltran, und sie habe vier Fluchtversuche unternommen. Die Amerikaner hätten wahrscheinlich überhaupt nicht daran gedacht, den Guerillas zu entkommen. Und Sigifredo Lopes wird nicht seinen Borges oder Shakespeare beiseite legen, um das Buch “dieser Amerikaner” zu lesen, wie er sagt.

Betancourt war nach ihrer Befreiung nach Frankreich geflogen worden, dort wurde sie von Staatspräsident Nicolas Sakozy begrüßt. Die frühere kolumbianische Präsidentschaftskandidatin besitzt auch die französische Staatsbürgerschaft. Seit Betancourt und insgesamt 14 weitere Geiseln, darunter auch die drei Amerikaner, am 2. Juli 2008 durch ein Täuschungsmanöver der Streitkräfte befreit wurden, hatte es immer wieder Gerüchte und Andeutungen in Büchern anderer Geiseln über Konflikte und Liebesbeziehungen unter FARC-Geiseln gegeben. Doch so offen und hart wie von den drei Amerikanern war Betancourt, die nach einem Bericht vom Dezember zurzeit selbst ihre Erinnerungen niederschreibt, bisher nie kritisiert worden. Den wohl schwersten Vorwurf erhebt Stansell: Betancourt habe die drei Amerikaner, die nach dem Absturz ihres Flugzeugs 2003 in die Gewalt der FARC geraten waren, bei den Bewachern als “CIA-Agenten” angeschwärzt.