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Der Krieg der Drogenbarone

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Der Krieg der Drogenbarone

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Wer nach Ciudad Juarez kommt, sollte sich vom Willkommensspruch nicht täuschen lassen. In der mexikanische Stadt an der Grenze zu den USA herrscht Krieg.

Der Drogenkartelle untereinander und Krieg des Staates gegen die organisierte Kriminalität. Die Regierung hat weitere 5.000 Soldaten in diesen blutigen Kampf geschickt. Doch auch dieser Einsatz der mexikanischen Armee – zusätzlich von der amerikanischen unterstützt – hat bisher das Blatt nicht wenden können. Erhängte, Erwürgte, Geköpfte liegen hier jeden Tag auf der Straße oder hängen an Brücken. Die Stadt hält einen zweifelhaften Rekord: Nirgendwo sonst gibt es im Verhältnis zur Einwohnerzahl soviele Morde. 1.600 im vergangenen Jahr. Dieser Familienvater sagt mit Blick auf eine Leiche auf der Straße, das sei hier normal. Passiere jeden Tag. Hier würden auch die Kinder Leichen als etwas Banales ansehen. 2008 zählte man in Mexiko 5.300 Morde. Nach etwas mehr als 3.000 im Jahr zuvor. Beim Krieg der Drogenkartelle geht es um Einnahmen von rund 10 Milliarden Dollar pro Jahr. Wer sich diesem Geschäft in den Weg stellt, wird umgebracht. Wie vor einer Woche eine 36jährige Stadträtin von Ciudad Juarez. Vor diesem Hintergrund wird klar, wie es die Drogenbosse schaffen, unbequeme Politiker, Richter oder Polizisten zum Aufgeben zu zwingen. Und wird einmal ein Täter verhaftet, dann handelt es sich gewöhnlich nur um einen Befehlsempfänger. So wie diesen, Experte für das Verschwindenlassen von Menschen. Er soll mindestens 300 Leichen in Säure aufgelöst haben – für 600 Dollar pro Leiche. Die Polizei allein ist schon lange überfordert. Vor einer Woche ist der Polizeichef zurückgetreten . Die Drogenbosse hatten gedroht, jeden zweiten Tag einen Polizisten zu ermorden, falls der Polizeichef bleibe. Das organisierte Verbrechen habe alle Bereiche des Staates infiltriert – von ganz oben bis hinunter zu den Städten, sagt der Sprecher des Gouverneurs des Bundesstaates Chichuahua . Wie solle man das bekämpfen, wenn man keine saubere Armee mehr habe? Wo der mexikanische Staat nicht mehr funktioniert, da werden auch finanzielle und militärische Unterstützung aus den benachbarten USA das Problem nicht lösen können.