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Junge Generation der Exil-Tibeter muckt auf

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Junge Generation der Exil-Tibeter muckt auf

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Seit einem halben Jahrhundert ist nun schon das nordindische Dharamsala das Zentrum des “Freien Tibet”. Hier lebt der Dalai Lama, hier hat die Exilregierung ihren Sitz. Ihre Politik, von den chinesischen Machthabern nicht Unabhängigkeit, sondern nur eine gewisse Autonomie zu verlangen, wird “Weg der Mitte” genannt.

Jungen Exil-Tibetern ist dies angesichts ausbleibender Erfolge aber allmählich zu moderat. Viele verbinden ihren Dank an Indien für 50 Jahre Gastfreundschaft mit dem Wunsch, eindeutig für Tibets Unabhängigkeit einzutreten. Gerade die Jungen wollen nicht mehr ewig warten. “Ich fühle mich schlecht”, sagt eine junge Tibeterin, “schlecht, weil ich immer noch hier oder in anderen Ländern nur ein Flüchtling bin. Ich bin Tibeterin, aber ich habe mein Land nie gesehen. Darum hoffe ich an diesem Jahrestag, dass der Tag kommen wird, an dem ich heim kann in mein Land.” Jene Hoffnung haben viele Veteranen aus der ersten Generation der Exil-Tibeter schon aufgegeben. Für sie gilt nur der vom Dalai Lama vorgezeichnete Weg. Der 78jährige Dhanga Phuntsok, der einst gegen die chinesischen Besatzer kämpfte, hofft nur noch für kommende Generationen: “Ich werde mit meinen 78 Jahren keine Unabhängigkeit mehr erleben. Aber für die junge Generation kann Freiheit möglich werden. Seine Heiligkeit ist hier bei uns. Das gibt uns die Hoffnung, ein unabhängiges Tibet zu erreichen.” Seine Enkelin Tenzin Zompa ist weniger duldsam. Die Medizinstudentin gehört auch zu jenen jungen Exil-Tibetern, die etwas tun wollen, statt nur zu warten. Sie erinnert an die vielen Opfer, die die Tibeter schon gebracht haben, und sagt, “die dürfen nicht umsonst gewesen sein. Wir müssen für unsere Unabhängigkeit kämpfen. Wir müssen weiterkämpfen.” Wie die Tibeter auf der anderen Seite des Himalaja darüber denken – dazu gibt es zu diesem Jahrestag keine Interviews. Die chinesischen Behörden haben die Region abgeriegelt und verwehren ausländischen Journalisten den Zutritt.