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Tacet für Italiens Pianisten

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Tacet für Italiens Pianisten

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Im Land, das der Musik die Bezeichnungen für Ton und Tempi gab, wurde lange Zeit für abwesende Abgeordnete mitabgestimmt. Duo statt Solo sozusagen. Der Volksmund nannte die virtuosen Demokraten “Pianisten”.

Doch die haben seit gestern Pause. Auf der Klaviatur der römischen Politik spielt jeder Kammer-Musiker nur noch mit einer Hand – der eigenen. Ein Fingerabdruck-Scanner bringt die Pianisten zum Schweigen. Rund ein Drittel der 630 “Ehrwürdigen” – wie die Abgeordneten in Italien angesprochen werden – wehrte sich gegen die “Big Brother-Technik”. Parlamentspräsident Gianfranco Fini haute aufs Pult: Nur für sich selbst abzustimmen sei eine Frage politischer Moral. Kein EU-Land bezahlt seine Volksvertreter so gut wie Italien. Noch immer fehlen mehr als 70 Abdrücke. Knapp zwanzig Abgeordnete wollen sie auch nicht abgeben. Sie dürfen weiter ohne Abdruck abstimmen. Ihre Namen aber werden veröffentlicht.