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Arabisch-Internationales Frauenforum in Paris

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Arabisch-Internationales Frauenforum in Paris

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Der Eiffelturm ist für viele ein Symbol für Freiheit. Wie es um die Freiheit der Frau in der arabischen Welt und ihr Verhältnis zum Westen bestellt ist, darüber haben Experten beim Arabisch-Internationalen Frauenforum in der französischen Hauptstadt diskutiert. Am Rande des Forums sprach euronews mit Diala el-Haj Aref, einer von wenigen Frauen in der arabischen Welt, die einen hohen politischen Posten bekleiden. Sie ist Ministerin für Arbeit und Soziales in Syrien. Ihrer Ansicht nach gibt es heute zwar vermehrt arabische Frauen im Wirtschaftssektor, aber die Männer dominieren das Feld immer noch klar.

euronews: Frau Ministerin, herzlich Willkommen bei euronews. Warum finden Konferenzen, bei denen es um die arabische Frau geht, oft außerhalb der arabischen Länder statt?

Diala el-Haj Aref: Für mich geht es bei diesem Forum um zwei Ziele. Zum einen wollen wir von der Erfahrung anderer Menschen profitieren, die uns voraus sind und die aus Ländern kommen, die weiter entwickelt sind. Zum anderen wollen wir Probleme aufzeigen und darüber mit Experten diskutieren, die der arabischen Welt bei der Lösung dieser Probleme helfen können. Es gibt noch einen dritten Grund hier zu sein: die Befreiung der Frauen von Ursachen, die sie daran hindern, sich in ihrer eigenen Umgebung und Gesellschaft auszudrücken und offen zu sprechen.

euronews: Kann man die Aktivitäten von arabischen und westlichen Frauen, die im Wirtschaftssektor arbeiten, vergleichen? Diala el-Haj Aref: Man kann in bestimmten Bereichen Vergleiche anstellen, aber nicht in allen. Wenn wir den Service-Sektor nehmen, der das Wirtschaftswachstum mitbestimmt und für alle Wirtschaftsindikatoren eine Rolle spielt, können wir einige arabische Länder mit anderen Ländern vergleichen. Wenn wir aber über den Industriesektor sprechen, werden Vergleiche schwieriger und wenn wir über den Bereich Informatik sprechen, wird es noch schwieriger. euronews: Erlauben es die Gesetze der arabischen Welt, daß sich die Frauen entwickeln können und wichtige Arbeitsposten übernehmen? Diala el-Haj Aref: Wenn wir über eine soziale Frage sprechen, können wir sie nicht mit JA oder NEIN beantworten. Ich glaube, daß die Gesetze der arabischen Welt ausreichend sind, um Gleichheit für die Bevölkerung zu schaffen und um Diskriminierung aufgrund von Rasse oder Geschlecht zu verhindern. Aber die Anwendung der Gesetze hat noch nicht das Niveau der Reife der Gesetze erreicht. Das hat Gründe. Die Gesetze, die der sozialen Reife vorausgegangen sind, haben weder bei Frauen noch bei Männern zu einem größeren sozialen Verständnis geführt. euronews: Viele Beobachter meinen, das Erreichen eines hohen Postens sei vor allem in arabischen Ländern eher Frauen vorbehalten, die aus in der Politik bekannten oder sozial besser gestellten Familien stammen. Ist das für Sie Realität? Diala el-Haj Aref: Das ist ohne Zweifel mehr oder weniger in vielen Fällen richtig. Auch in arabischen Ländern. Aber da sollte man nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen, denn das ist eine natürliche Sache. Eine Frau, die in einem Haus aufwächst, das in der Politik arbeitet, wird qualifizierter sein als eine Frau, die nichts mit Politik zu tun hat oder die nie die Kompetenz für diese Arbeit erworben hat. Eine Frau, die in einer Familie aufgewachen ist, die im Wirtschaftssektor arbeitet und die eine entsprechende Erziehung und Aubildung bekommen hat, ist sicher qualifiziert. Warum also sollte sie nicht in diesem Bereich weitermachen? euronews: Könnte man sagen, daß die orientalische Gesellschaft begonnen hat, sich von der Herrschaft der Männer zu befreien? Diala el-Haj Aref: Die Frauen haben angefangen, eine Rolle zu spielen. Aber diese Rolle ist noch klein, zumindest was die Quantität angeht, nicht was die Qualität angeht. Es gibt große Unternehmen, die von Frauen geführt werden, und diese Unternehmen haben großen Einfluss auf die Wirtschaft. Aber die Anzahl dieser Unternehmen ist klein, wenn man sie mit der Anzahl der von Männern geführten Unternehmen vergleicht. euronews: Können Frauen in staatstragenden Funktionen Antrieb sein, um Frauen mehr Rechte zukommen zu lassen? Diala el-Haj Aref: Ich glaube, die meisten Gesellschaften haben die Frage nach den Rechten der Frau schon hinter sich. Denn in dieser Sache gibt es nichts Neues zu sagen. Die heutigen Gesellschaften rühmen sich damit, die Rechte der Frauen in ihren Gesetzen und in ihren Systemen verankert zu haben. Heute ist es selbstverständlich, und das nehmen alle wahr, daß es in der Diskussion nicht mehr um die Rechte der Frau geht. Von jetzt an wird darüber diskutiert, wie Frauen die Ausübung ihrer Arbeit erleichtert werden kann, die Frucht ihres Kampfes um ihre Rechte.