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Madaskar - Tropenparadis mit ungelösten Problemen

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Madaskar - Tropenparadis mit ungelösten Problemen

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Drei Monate verschärfte Krise hatten gereicht, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Madagaskar, Insel im Indischen Ozean vor der Küste Afrikas, ehemal französische Kolonie , hat nun einen 34jährigen ehemaligen Disk-Jockey zum Staatsoberhaupt. Dem fehlen zwar noch 6 Jahre zum verfassungsmäßigen Mindestalter für Präsidenten – aber den Leuten auf der Straße ist Änderung wichtiger als eine solche Formalie. “Wir warten schon zu lange, dass etwas zum Nutzen nicht nur der Wenigen geschieht, bekräftigt auch dieser Mann.

Dabei hatte man solche Töne auch schon vor 7 Jahren gehört, als der nun gestürzte Präsident Marc Ravolamanan an die Macht kam. Ein Geschäftsmann in der Hauptstadt bescheinigt dem gescheiterten Präsidenten zwar auch einige Fortschritt – z.B. bei Straßenbau und Telekommunikation. Aber insgesamt habe er wohl zu viele Fehler gemacht. Auch vor 7 Jahren war es stürmisch zugegangen beim Machtwechsel. Ravolamanan hatte den zuvor 27 Jahre herrschenden David Ratziraka abgelöst. Enorme Hoffnungen auf eine demokratische Öffnung der Gesellschaft hatten jenen Umschwung begleitet. Hoffnungen auf wirtschaftlichen Aufschwung zumal – schließlich ist die Tropeninsel mit ihren 20 Millionen Einwohnern einer der ärmsten Staaten der Welt. Aber Ravolamanan hatte die Hoffnungen enttäuscht. Seine Herrschaft stand in den Augen der meisten Einwohner für Willkür, Mißwirtschaft und hemmungslose Bereicherung. Dabei ist Madagaskar eine von der Natur reich beschenkte Insel. Ein Klima ideal für Toursiten und für Landwirtschaft. Trotzdem aber fristen 70 Prozent der Bevölkerung ein Leben unterhalb der Armutsgrenze. Auf der Weltliste des Wohlstands steht Madagaskar fast ganz hinten – als Nummer 146. Der nun gestürzte Präsident hatte es in den vergangenen Jahren mit einer Öffnung für ausländische Investoren versucht. Wovon aber die Mehrheit der Bevölkerung nichts hatte. Das hat neben dem politischen Druck den Unmut immer mehr angeheizt. Dazu dann noch die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise – das alles brachte das Fass zum Überlaufen.