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Ungarns Absturz in die Fremdverschuldung

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Ungarns Absturz in die Fremdverschuldung

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Als vor knapp 20 Jahren die Ungarn als erste den “eisernen Vorhang” öffneten, wurden sie vom Westen als die Vorreiter der Marktwirtschaft im Ostblock betrachtet. Vorreiter sind sie in gewissem Sinne wieder – nur diesmal, was die hoffnungslose Überschuldung anbelangt. Besonders schlimm daran ist: sie haben sich in Fremdwährungen verschuldet. Der Fachmann erklärt: Solange die osteuropäischen Wirtschaften rasch wuchsen und die Währungen immer stärker wurden, war Kreditaufnahme in einer Fremdwährung eine einfache Rechnung: Je stärker die eigene Währung wurde, um so niedriger war die zurückzuzahlende Schuldensumme.

Das hat letztlich dazu geführt, dass 2008 85 Prozent der ungarischer Verbraucherkredite in ausländischen Währungen abgeschlossen waren. Zumeist in Euro oder Schweizer Franken. Nun hat der ungarische Forint aber seit Sommer 2008 rund ein Drittel seines Wertes verloren. Und das stürzt ungarische Familien, wie die des Klempners Laszlo Vadasz in die finanzielle Katastrophe. Sein Traum von den eigenen vier Wänden ist im November geplatzt, als er die Hypothek nicht mehr bedienen konnte. Erst versuchte er noch, 300 statt der vereinbarten 500 Euro im Monat abzuzahlen – dann verlor er seine Arbeit damit auch das Haus. Der ungarische Staat hat auch nicht besser gewirtschaftet als seine Bürger. 2006 hatte die Staatsverschuldung 9,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erreicht – den höchsten Stand aller EU-Mitglieder. Die konnte dann bis 2008 wieder auf 3,3 Prozent heruntergefahren werden. Der Internationale Währungsfond gewährte 20 Milliarden Euro für einen Rettungsplan. Aber natürlich um den Preis harten Einschnitte bei allen sozialen Ausgaben.