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Vor 10 Jahre fielen NATO-Bomben auf Belgrad

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Vor 10 Jahre fielen NATO-Bomben auf Belgrad

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Belgrad, 24. März 1999. Die NATO bombadiert den Staat, der damals noch Jugoslawien heisst. Mit der Begründung, so wolle man die serbischen Verbände stoppen, die dabei seien, massenhaft Albaner aus der Provinz Kosovo zu vertreiben. Dier Bomben treffen nicht nur militärische Ziele. Zu den “Kollateralschäden” gehörten zivile serbische Opfer ebenso wie die Einschläge in der chinesischen Botschaft.

Zehn Jahre später nennt es der heutige serbische Verteidigungsminister Dragan Sutanovac “absolut unnatürlich”, an der Schwelle eines neuen Jahrtausends eine Nation zu bombadieren, wo die NATO seiner Meinung nach ihre Ziele doch hätte viel einfacher erreichen können. Das erklärte Ziel lautete: Serbische Truppen – reguläre Armee wie Milizen – raus aus dem Kosovo. 79 Tage nach Beginn der Bombenangriffe befahl der damalige jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic den Abzug. Nun traf das Schicksal von Flucht und Vertreibung die Serben, die bisher im Kosovo gelebt hatten. Milivoje Mihajlovic ist einer von ihnen. Er erinnerinnert sich an das schreckliche Gefühl, sich innerhalb von Stunden entscheiden zu müssen zwischen bleiben oder gehen. Entscheiden zu müssen, was man mitnehmen kann aus dem auf immer zu verlassenden Haus. Er nennt es eine furchtbare Erfahrung, die er niemandem wünscht. Ein angebliches Massaker an Albanern hier in Racak wurde zum Anlass für den Luftkrieg. Der damalige deutsche Verteidigungsminister von der SPD sprach von “Völkermord”, auch wenn sein eigener Nachrichtendienst der Bundeswehr dafür keine Beweise fand. Dafür kochten aber die Emotionen hoch Im Februar hatte es in Rambouillet bei Paris noch einen letzten Versuch einer Verhandlungslösung gegeben. Aber da waren die Fronten schon hoffnungslos verhärtet. Da hatten auch die Kosovo-Albaner mit der UCK bereits eine militärische Kraft, die sie glauben liess, sie könnten mehr erreichen als ein Autonomiestatut im jugoslawischen Staatsverband. Als am 24. März 1999 die ersten Bomkben fielen, erklärte der deutsche Verteidigungsminister Rudolf Scharping: “Wir führen keinen Krieg, aber wir sind aufgerufen, eine friedliche Lösung im Kosovo mit militärischen Mitteln durchzusetzen.” Neun Jahre später verkündete Kosovo seine Unabhängigkeit. Dass das kein Ende des Konfliktes zwischen Albanern und Serben bedeutet, ist bekannt. In Belgrad gehören verbliebene Ruinen jener Bombenangriffe inzwischen zu den Attraktionen für Touristen.